Urlaubszeit ist Reisezeit Teil 1

Reisefotografie im Urlaub

Die Urlaubszeit ist für die meisten Menschen die schönste Zeit des Jahres. Für alle Fotografiebegeisterten ist der Urlaub wohl die Zeit, in der die meisten neuen Fotos entstehen.

Klar sollen die schönen Erlebnisse festgehalten werden und sicher möchtet ihr genauso wie ich das ein oder andere Foto an der Wand oder im Fotoalbum Zuhause noch einmal ansehen. Nicht zuletzt wollen auch Freunde und Verwandte einen Eindruck davon bekommen, was ihr so im Urlaub getrieben habt – wenn auch nur in homöopathischen Dosen (aber dazu ein anderes mal mehr). Grund genug, sich dieses Kapitel der Fotografie einmal genauer anzuschauen.

Ich möchte mich deshalb in den kommenden Wochen mit einer Reihe von Beiträgen intensiv der Reisefotografie widmen. Den Anfang soll dieser Beitrag über die Ausrüstung machen. Fotografen sind häufig unsicher, welcher Teil ihrer Ausrüstung mit in den Urlaub geschleppt wird und was davon alles Zuhause bleiben kann. Genau aus diesem Grund möchte ich eine kleine Hilfestellung geben. Was also kommt in den Koffer und was muss Zuhause im Schrank verweilen?

Die Kamera

Was wäre ein Fotograf ohne seine Kamera? Die Kamera kommt natürlich mit. Das war einfach, aber vor dem Urlaub sollte man noch mehr beachten. Schaut euch die Einstellungen eurer Kamera vor der Abreise noch einmal genau an. Stimmt das Datum?

Stimmt das Dateiformat? Wenn ihr die Bilder nachträglich noch mit Lightroom oder einem anderen Programm bearbeiten wollt, empfehle ich immer das RAW-Format. Man kann mit der entsprechenden Software einfach noch eine Kleinigkeit mehr aus den Bildern heraus holen. Wer sich aber nicht an die Bildbearbeitung traut, die Mühe scheut (was ich ab und zu gut verstehen kann) oder aus anderen Gründen auf Nachbearbeitung verzichtet, für den ist das JPEG-Format das Richtige.

Ist die ISO-Einstellung, die Blende oder die Belichtungszeit noch von der letzten abendlichen Fototour verstellt? Unbedingt vor dem Einpacken kontrollieren. Ich weiß, diese Einstellungen sollte man sofort danach wieder zurücksetzen. Aber ich kenne mich und ich glaube, dass es anderen auch so geht. Prüft, ob ihr sofort loslegen könntet, wenn ihr die Kamera bei der Ankunft einschaltet.

Das Zubehör

Ganz ganz wichtig sind die Ersatzakkus. Nichts ist schlimmer, als das perfekte Motiv zu erspähen und die Kamera streikt. Zu den Ersatzakkus gehört natürlich auch ein entsprechendes Ladegerät. Ich persönlich reise immer mit drei Akkus. Einen Vollen in der Kamera, einen Vollen als Reserve in der Kameratasche und einer (der, der am Vortag in der Kamera war) lädt im Hotelzimmer. So hatte ich jedenfalls bisher nie Probleme. Erfahrungsgemäß hält bei mir so ein Akku fast einen ganzen Tag, aber eben nur fast.

Aufgrund der Aktualität noch ein kleiner Hinweis am Rande: Bei Flugreisen in die USA (und vielleicht in Zukunft noch zu sehr viel mehr Zielen) ist neuerdings zu beachten, dass Akkus nicht mehr leer mitgenommen werden dürfen. Wenn ihr also den Akku in die Kamera schiebt, muss sich die Kamera zumindest anschalten lassen. Ladet die Akkus einfach vor eurer Reise voll auf. Das spart den Stress bei der Sicherheitskontrolle und auch beim Wechseln am Urlaubsort. Übrigens gilt diese neue Vorschrift nicht nur für Kameraakkus, sondern auch für alle anderen in Laptops, Tablets und Handys (auch fest Verbaute).

Außerdem dürfen zusätzliche Speicherkarten nicht in der Kameratasche fehlen. Ich bin hier ein Freund von etwas kleineren Speicherkarten und zwar lieber mehr als weniger. Plant dabei großzügig, Speicherkarten kosten wirklich nicht mehr die Welt. Und warum nehme ich nun kleinere Speicherkarten in den Urlaub? Ganz einfach, wenn mir aus Versehen eine 8 GB-Karte kaputt geht oder abhanden kommt, sind viel weniger Bilder verloren als wenn ich nur eine 64 GB-Karte dabei habe und die am letzten Urlaubstag den Geist aufgibt. Da wechsele ich lieber einmal öfter. Ach so, schaut die Karten vor dem Urlaub durch. Sie sollten leer sein…

Alles andere Zubehör ist aus meiner Sicht entbehrlich. Wer gerne viel im Urlaub auf den Beinen ist, sollte aber über einen richtigen Kameragurt nachdenken. Ich rede nicht von den scheußlichen schmalen, kurzen und unbequemen Dingern, die schon beim Kauf der Kamera mit in der Packung lagen. Bei Kompaktkameras oder den kleinen spiegellosen Systemkameras (hier wird es schon kritisch) mag der mitgelieferte Gurt ja noch gerade so erträglich sein. Aber die etwas größeren Spiegelreflexkameras würde ich mir jedenfalls damit nicht mehr um den Hals hängen. Ich halte einen richtigen Kameragurt, wie z.b. die von Sun Sniper, für so gut, dass ich ihnen einen eigenen Artikel widmen will. Diejenigen unter euch, die also mehr darüber wissen mögen, schauen sich entweder auf dem vorigen Link um oder gedulden sich noch ein klein wenig.

Wer sich für seinen Urlaub eine Region mit Salzwasser, viel Sand und Staub sowie einer hohen Luftfeuchtigkeit ausgesucht hat: Herzlichen Glückwunsch zu einem tollen Urlaubsziel. Allerdings solltet ihr dann auch ein Mikrofasertuch und einen Lenspen zur Reinigung der Objektive nicht vergessen. Beides nimmt nicht viel Platz weg und ist bei mir immer an Bord.

Der Blitz

Ich muss gestehen, dass ich kein Freund von Blitzfotos bin. Ich finde externe Blitze zu klobig und Bilder mit dem internen Blitz schrecklich. Es mag hart klingen, aber ich verzichte lieber auf ein Bild bevor ich den Blitz benutzen muss.

Wenn ihr aber in der Vergangenheit zumindest jedes Zweite eurer Bilder mit Blitz gemacht habt, packt ihn in Gottes Namen mit ein. Meinen Segen habt ihr. In meine Reisetasche kommt er jedenfalls nicht.

Die Filter

Gerade in südlichen Regionen ist ein sogenannter Polfilter nicht von Nachteil. Er hilft nicht nur, um den Himmel und das Grün der Blätter kräftiger erscheinen zu lassen, auch unerwünschte Reflexionen von Glas oder Wasser lassen sich so unterdrücken. Der Effekt eines Polfilters lässt sich nicht so einfach nachträglich per Bildbearbeitung einarbeiten, gerade was die Reflexionen angeht. Nice to have würde ich sagen. Unbedingt nötig ist so ein Filter mit Sicherheit nicht.

Wie bei allem anderen Kamerageraffel gilt auch bei den Filtern: Unbedingt Zuhause ausprobieren. Macht euch rechtzeitig damit vertraut, bevor ihr in den Urlaub fahrt.

Das Stativ

Hier spalten sich sicher die Meinungen. Ich nehme mein Stativ mit, wenn ich ein paar Fotos machen will, von denen ich weiß, dass ich dazu ein Stativ brauche. Für einen Urlaub, auf den ich mich weder allein noch ausschließlich mit anderen Fotoenthusiasten begebe, bleibt das Stativ Zuhause. Bei meinen Fotografiergewohnheiten ist ein Stativ meistens sowieso eher hinderlich. Wer sich aber für Landschaftsaufnahmen und Panoramen begeistert, sollte sich schon eher über die Mitnahme eines Stativs Gedanken machen.

Vielleicht reist ihr auch mit Menschen, die es nicht stört, wenn ihr alle 200 Meter fünf bis zehn Minuten braucht, um euer Stativ rauszuholen, aufzubauen, Einstellungen vorzunehmen, die Aufnahme zu machen, abzubauen und das Stativ wieder im Köcher auf eurem Rücken zu verstauen. Vielleicht tragen eure Mitreisenden auch gerne mal das Stativ für euch, wenn euer Rücken nach einem langen Tag voller Sehenswürdigkeiten und Entdeckungen einfach nicht mehr möchte. Mir sind solche Mitreisenden noch nicht begegnet. Wie gesagt, ich reise meist ohne Stativ.

Die Objektive

Welches Objektiv kommt mit auf die Reise? Das ist wohl für die meisten – mich eingeschlossen – die schwierigste Frage. Die Frage ist deshalb so schwierig, weil es einerseits darauf ankommt wie ihr fotografiert und andererseits was ihr fotografieren wollt.

Für mich ist es wichtiger, wie jemand normalerweise fotografiert. Wer seine Bilder immer mit einem Ultraweitwinkel macht, einfach weil er das Objektiv so liebt, sollte in jedem Fall dieses Objektiv in seine Tasche packen. Daher mein Rat: Das Lieblingsobjektiv muss immer mit. Euer Problem, wenn euer liebstes Stück ein 150-500mm-Trümmer ist. Das Lieblingsobjektiv muss immer mit. Basta. Mit dem Lieblingsobjektiv sollte man die meisten Situationen fotografisch bewältigen können.

Egal ob für den Städtetrip oder den Strandurlaub empfehle ich auch immer eine lichtstarke Festbrennweite. Damit ist man gerade am Abend ganz weit vorn und kann hervorragend die Stimmung ohne das absolut unschmeichelhafte Licht des internen Blitzes einfangen. Der Vorteil ist auch, dass die normalen Festbrennweiten relativ klein und leicht sind, meistens sogar in die Jackentasche passen.

Ansonsten kommt es darauf an, was ihr an Motiven am Urlaubsort erwartet. Bei der Städtereise macht sich etwas Weitwinkliges genauso gut, wie ein Tele-Objektiv auf Safari. Allerdings bewahrheitet sich hier oft der Spruch: Weniger ist mehr. Also geht ruhig kritisch an die Sache heran und fragt euch, ob ihr das Objektiv wirklich benutzen werdet.

Wenn ihr da noch unsicher seid, schaut einfach, was andere an eurem Urlaubsort schon für Fotos gemacht haben. Ich schaue dafür immer auf 500px.com. Erstens sind die Fotos dort mehrheitlich sehr sehenswert und regen die eigene Kreativität an. Zweitens geben die Meisten dort auch einen Einblick, welche Technik sie für ihre Fotos verwendet haben. Und Drittens komme ich dabei immer in Urlaubsstimmung. Also gleich drei Fliegen mit einer Klappe.

 

Ich hoffe, ich konnte euch helfen, damit eure Kameratasche beim nächsten Urlaub nicht aus allen Nähten platzt. Übrigens, die Kameratasche gehört immer ins Handgepäck. Die Chance, dass Kamera oder Objektive im Koffer einem zu harten Schlag ausgesetzt sind (wer schon mal beim Verladen von Gepäckstücken zugeschaut hat, weiß sehr gut, wovon ich rede), ist einfach zu hoch.

Wenn ich etwas vergessen haben sollte, zögert nicht und schreibt es in die Kommentare. Womit fahrt ihr in den Urlaub? Welches Objektiv darf in eurem Gepäck nicht fehlen? Ich bin gespannt, von euch zu hören.

Der nächste Teil dreht sich um die Vorbereitungen, mit denen das Fotografieren am Urlaubsort noch einfacher gelingt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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