Urlaubszeit ist Reisezeit Teil 3

Nur in London noch beliebt: Colour Key

Im letzten Teil dieser Serie habe ich euch ein paar Tipps an die Hand gegeben, um bessere Bilder aus dem Urlaub mitzubringen. Davor hatten wir uns bereits mit der Entscheidung befasst, welche Ausrüstung mit in den Urlaub kommt. Dieses Mal möchte ich ein paar Worte zu einem allseits bekannten Problem loswerden…

Wer von euch kennt es nicht? Ihr habt ein wunderschönes verlängertes Wochenende in einer der großen Hauptstädte Europas geplant und gebucht. Oder auch den Strandurlaub unter Palmen irgendwo, wo euch möglichst wenig Menschen stören.

In euren Vorstellungen malt ihr euch bereits Erholung pur, spannende Entdeckungen und Sonne satt aus. Natürlich habt ihr auch schon fotografisch eure Reise geplant und gedanklich schon euer Traummotiv bei wolkenlosem Himmel postkartenreif abgelichtet.

Wie sieht aber allzu oft die Realität aus? Ihr kommt am Urlaubsort an und schon am ersten Morgen folgt die Ernüchterung beim Blick aus dem Fenster: Der Himmel ist bedeckt und einige Tropfen haben sich auch schon an der Fensterscheibe gesammelt.

Jeder von uns war wahrscheinlich schon mal im Urlaub und hatte schlechtes Wetter. Allzu viele lassen sich dadurch leider die ganze Reise vermiesen. Zumindest aus fotografischer Sicht muss das nicht sein.

Aus diesem Grund gibt es diesmal ein paar Tipps für gelungene Fotos bei schlechtem Wetter.

Auf die Ausrüstung achten

Die besten Motive nutzen nichts, wenn die Kamera streikt. Und Wasser ist nun mal der natürliche Feind der Elektronik. Zwar gibt es schon einige Hersteller, die ihre Gehäuse und sogar einige Objektive abdichten. Beim Objektivwechsel nutzt das leider wenig.

Deshalb mein Tipp, wenn das Objektiv gewechselt werden soll und kein trockener Ort zur Verfügung steht: Einfach eine Plastiktüte mit in den Fotorucksack werfen und die Objektive im Notfall darin wechseln. Der Tüten-Objektivwechsel hilft übrigens auch am Strand an allzu windigen Tagen.

Macht euch aber im laufenden Betrieb der Kamera über ein wenig Regen keine Sorge. Ein paar Tropfen kann eigentlich jede Kamera ab.

Streulichtblende nutzen

Manchmal wird die Streulichtblende auch Gegenlichtblende oder Sonnenblende genannt. Ihr solltet euch vom Namen aber nicht täuschen lassen. Nicht nur bei Sonnenschein leistet die „Sonnenblende“ gute Arbeit, auch bei schlechtem Wetter ist sie euch von großer Hilfe.

Davon abgesehen, dass ich in fast jeder Situation empfehle, die Streulichtblende zu benutzen, einfach weil die Front vom Objektiv so sehr effektiv vor Beschädigungen (z.B. durch Ecken, Wände, Äste oder ähnlichem) geschützt wird. Gerade wenn es nieselt oder regnet ist die Streulichtblende euer bester Schutz vor Regentropfen auf dem Objektiv.

Einen dicken Regentropfen auf der Linse seht ihr auf dem Bild sofort. Das ist dann später auch ein Problem, welches durch Nachbearbeitung am PC nur sehr schlecht oder gar nicht zu beheben ist.

Deshalb schließe ich diesen Tipp gleich an: Überprüft die Frontlinse von Zeit zu Zeit auf größere Regentropfen und reinigt sie entsprechend mit einem Microfasertuch.

Schwarz-Weiß fotografieren

Fotografieren im Urlaub

Schlechtes Wetter? Dann ist schwarz-weiß vielleicht die Lösung. © Tim Beyenbach

So, jetzt kommen wir endlich zu den Bildern. Der Himmel ist grau in grau und der Himmel stört euch auf euren Bildern? Dann versucht es einfach mal schwarz-weiß.

Gerade wolkenbedeckte Himmel wirken auf Schwarz-Weiß-Bildern richtig gut. Durch die Wolken bekommt der Himmel nämlich Strukturen und genau darauf kommt es bei Schwarz-Weiß-Bildern an. Überhaupt könnt ihr euch ohne Farbe ganz auf die Kontraste zwischen hell und dunkel stürzen.

Wer von euch sonst immer in Farbe fotografiert, dem möchte ich ans Herz legen, die Kamera einen Tag auf Schwarz-Weiß einzustellen. Ihr könnt dabei ganz neue Erfahrungen machen. Aber ein wenig Erfahrung braucht ihr auch dafür. Denn Schwarz-Weiß-Fotografie ist ein wenig eigen und ihr müsst erst einen Blick dafür gewinnen, welche Motive ohne Farbe funktionieren und welche nicht.

Die Erfahreneren unter euch brauchen den Schwarz-Weiß-Modus an ihrer Kamera auch irgendwann nicht mehr. Für die Nachbearbeitung am PC ist es auch vorteilhafter, das Foto in Farbe aufzunehmen. Der Spielraum ist dann bei der Bearbeitung einfach größer.

Den Moment nach dem Regen nutzen

Reisefotografie bei Regen

Durchbrechende Sonnenstrahlen sind das Salz in der fotografischen Schlechtwetter-Suppe. © Tim Beyenbach

Ich gehe mal davon aus, nicht euer ganzer Urlaub ist verregnet (hoffentlich). In vielen tropischen Gebieten sind die Regenschauer zum Beispiel heftig, aber nur von kurzer Dauer. Und mit dem Ende des Regens bricht oft genug die Sonne durch.

Genau diese wenigen Minuten müsst ihr nutzen. Dramatische Wolken, einzelne Sonnenstrahlen und vielleicht sogar noch hübsche Reflexionen von diversen Lichtern in den ein oder anderen Pfützen am Wegesrand. Das ist der Stoff für die besonderen Momente.

Für diese Lichtverhältnisse beneidet euch jeder Fotograf. Wer jetzt mit offenen Augen durch die Gegend läuft, wird mit einer Fülle von Motiven belohnt werden. Übrigens wirken Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu dieser Zeit noch dramatischer. Nehmt die aufreißenden Wolken ruhig mit ins Bild.

Aber beeilt euch, die Lichtstimmung ist genauso schnell weg, wie sie gekommen ist. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, ihr habt fünf bis zehn Minuten. Also haltet euch ran.

Fenster

Urlaubsfotos bei schlechtem Wetter

Wenn der Blick aus dem Fenster so aussieht, regnet es einfach zu stark… © Tim Beyenbach

Wenn der Regen an die Scheibe prasselt, dann hält man sich am liebsten drinnen auf. Dort ist es schließlich wärmer, gemütlicher und vor allem trockener.

Oft könnt ihr die Zeit im Trockenen aber noch für ein schönes Foto nutzen. Sucht euch das Fenster, hinter dem die prägnanteste Silhouette oder einige Lichter zu sehen sind. Geht dann nah an die Scheibe und fotografiert einfach den Regen.

Nutzt dazu eine möglichst offene Blende (die Blendenzahl muss möglichst klein sein), um den Hintergrund verschwimmen zu lassen und fokussiert auf die Regentropfen.

Wenn der Autofokus das nicht schafft, müsst ihr auf manuelle Fokussierung umschalten und per Hand die Regentropfen scharf stellen.

Reflexionen

Wisst ihr, warum bei den Dreharbeiten für Nachtszenen in Kinofilmen extra die Straße nass gespritzt wird?

Ganz einfach, damit der Kameramann die hübschen Reflexionen mit im Bild hat. Gerade in der Stadt funkeln die Straßenlaternen genauso wie die Karosserien und Lichter der vielen Autos. Das wirkt einfach.

Achtet mal darauf, wenn im Film in der Nacht eine Verfolgungsjagd mit dem Auto stattfindet. In 80 % – 90 % dieser Szenen ist die Straße nass oder es regnet gerade „zufällig“.

Ihr könnt dieses Wissen natürlich auch für eure Fotos einsetzen. Stadtszenen bei Abend oder Nacht wirken mit nassen Straßen doppelt so beeindruckend.

Vergesst für diese Art von Aufnahmen aber euer Stativ nicht. Gerade bei wenig Licht verwackeln euch die Bilder sonst sehr schnell.

Kopf hoch und lächeln

Wer mit den Gedanken bei hässlichen Regenfotos ist und schlecht gelaunt durch die Straßen des Urlaubsortes mit seiner Kamera zieht, wird mit Sicherheit wenig schöne Motive entdecken.

Aber wie schon ganz am Anfang gesagt, lasst euch vor allem nicht die Laune vermiesen. Ihr könnt auch Fotos bei schlechtem Wetter machen. Ihr müsst nur daran glauben und euch mit dem Wetter arrangieren.

Nehmt euch zum Beispiel die Engländer zum Vorbild. Die verkaufen ihr Mistwetter mittlerweile als Teil des Urlaubserlebnisses. Es heißt nicht umsonst, wer London noch nie im Regen erlebt hat, war noch nie in London.

Also haben die Engländer aus der Not eine Tugend gemacht und verkaufen zum Beispiel diesen tollen Regenschirm aus dem Titelbild. Und das ist doch nun wirklich ein Motiv, welches in keinem Fotobuch von London fehlen darf, oder?

 

So, ich hoffe, ihr konntet ein wenig für euch mitnehmen und erinnert euch daran, wenn ihr das nächste Mal im Urlaub ein paar fette Regenwolken seht.

Wie ergeht es euch beim Fotografieren, wenn das Wetter schlecht ist? Lasst ihr eure Kamera lieber im Trockenen oder wagt ihr euch nach draußen, nach dem Motto „jetzt erst recht“?

Lasst es mich in den Kommentaren wissen, natürlich auch, wenn ihr noch einen Tipp für schöne Fotos im Regen habt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

Hinterlasse einen Kommentar.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.