Scharfe Fotos gefällig? Mit diesen 8 Tipps gar kein Problem.

Tipps für Scharfe Bilder

Kameras sind ab und zu ziemlich zickige Gefährten. Wer von euch war nicht schon einmal fotografieren und dann kam Zuhause am heimischen PC die Ernüchterung mit einer Reihe nur mäßig scharfer Fotos.

Aber euch kann geholfen werden. Deshalb verrate ich in diesem Beitrag die 8 wichtigsten Tipps, wie ihr in Zukunft nie mehr einen Gedanken an verwackelte oder flaue Fotos verschwenden müsst. Fangen wir am besten gleich ohne lange Vorrede an.

1. Stativ benutzen

Der erste Tipp ist wahrscheinlich schon zu simpel. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass die Meisten ihn tatsächlich außer Acht lassen. Vermutlich ist es der einfachste und gleichzeitig am seltensten genutzte Weg, um an knackig scharfe Fotos zu kommen.

Wenn ihr ein Stativ besitzt, benutzt es auch. Wer das letzte bisschen Schärfe aus seinen Aufnahmen kitzeln will, kommt um die Verwendung eines Stativs nicht herum.

Ich weiß, was ihr sagen wollt. Stative sind schwer, sperrig und es dauert seine Zeit, bis alles aufgebaut und einsatzbereit ist. Ihr habt recht, genauso ist es. Aber wenn ihr wirklich scharfe Aufnahmen machen wollt, müsst ihr das in Kauf nehmen.

Wer sich von euch gar nicht damit anfreunden kann, dem sei ein sogenannter „Bean Bag“ ans Herz gelegt. Gerade für unterwegs ist so ein Bohnensack vielleicht für den einen oder anderen eine Alternative.

Noch ein Extratipp am Rande: Bei Aufnahmen vom Stativ solltet ihr immer den Bildstabilisator, je nach Kamera entweder im Gehäuse oder im Objektiv, abstellen. Denn der Bildstabilisator versucht immer, wie der Name schon sagt, das Bild zu stabilisieren. Das tut er, indem er Verwacklungen durch gegenläufige Bewegungen auszugleichen versucht.

Wenn keine Verwacklungen aufgrund des Stativeinsatzes vorhanden sind, versucht er aber trotzdem weiter, Verwacklungen entgegen zu wirken. Als Folge ist dann trotz Stativ eine leichte Unschärfe auf dem Bild. Stellt diese Funktion deshalb auf dem Stativ lieber ab.

2. Der Auslöser

Einige Menschen meinen scheinbar, dass die Auslösegeschwindigkeit der Kamera in direktem Zusammenhang zur Kraft steht, mit der sie den Auslöser betätigen. Lasst mich euch versichern, dass dem nicht so ist…

Schlimmer noch, ein zu kräftiges Drücken des Auslösers wirkt sich tatsächlich negativ auf die Bildschärfe aus. Kein Witz, ehrlich. Deshalb solltet ihr immer vorsichtig mit dem Finger von hinten nach vorn über den – sowieso schon halb durchgedrückten – Auslöser rollen. Sanft, wie ein Streicheln.

Wenn ihr dazu zu grobmotorisch veranlagt seid, gibt es trotzdem noch Hoffnung. Der Zwei-Sekunden-Selbstauslöser schafft Abhilfe und sollte übrigens auch immer bei Aufnahmen vom Stativ genutzt werden.

Wenn ihr aber keine statischen Motive fotografiert, steht vielleicht doch das sanfte Rollen über den Auslöser auf eurem Übungsplan.

3. Kurze Belichtungszeiten

Wer von euch schon mal im Automatikmodus (das große, böse grüne Viereck auf dem Einstellrad) fotografiert hat, wird folgende Situation schon einmal erlebt haben: In einem nur spärlich beleuchtetem Raum soll ein Foto gemacht werden. Um die Stimmung nicht zu zerstören, möchte man auch keinen Blitz benutzen.

Was passiert? Das Foto ist unscharf. Warum ist das Foto unscharf? Weil die Kamera eine zu lange Verschlusszeit gewählt hat.

Damit euch das nicht passiert, gibt es eine leicht zu merkende Faustformel für Freihand-Fotografien:

Belichtungszeit = 1/(Brennweite*Cropfaktor).

Um zu wissen, welchen Cropfaktor eure Kamera hat, müsst ihr euch ansehen was für ein Sensor in eurer Kamera steckt. Am besten ihr schaut im Handbuch nach. Danach könnt ihr die Zahl ganz einfach der Tabelle hier entnehmen:

SensorCropfaktor
Kleinbild / Vollformat1
APS-C1,5
APS-C (Canon)1,6
Micro-Four-Third / Four-Third2
1 Zoll (1″), z.B. Nikon 12,7
2/3 Zoll4
1/2,3 Zoll5,6

Ein kurzes Beispiel:

Meine Kamera hat einen APS-C-Sensor. Der Cropfaktor ist also laut Tabelle 1,5. Wenn ich nun mit einer 50mm-Festbrennweite unterwegs bin und ein Foto machen will, sollte ich eine Belichtungszeit von längstens 1/(50*1,5) = 1/75 s wählen. Da es 1/75 s nicht gibt, belichte ich höchstens 1/80 s, nicht länger.

Für Menschen, die dazu neigen eher zittrige Hände zu haben, würde ich in diesem Beispiel sogar 1/100 s oder gar 1/120 s empfehlen. Da muss jeder für sich ein paar Erfahrungswerte sammeln.

Diese ganze Rechnerei mag am Anfang kompliziert klingen. Wenn ihr das aber ein paar Male gemacht habt, wird euch die Formel schnell ins Blut übergehen.

4. Abblenden

Objektive zu konstruieren ist ein schwieriges Unterfangen. Diverse Linsenelemente werden zusammengeschraubt, teilweise noch gruppiert und ausgerichtet. Sogar Objektive mit beweglichen Elementen im Inneren sind keine Seltenheit. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, hat jedes Objektiv dadurch ganz eigene Eigenschaften, sowohl was die Lichtstärke, die Brennweite und letztlich die Abbildungsleistung angeht.

Trotzdem hat sich ein wichtiger Grundsatz über alle Objektive hinweg heraus kristallisiert: In den Extremen sind die Objektive schlechter. Das gilt sowohl für die Lichtstärke als auch für die Brennweite.

Schauen wir uns als erstes die Lichtstärke an. Wenn wir ein Objektiv mit der größtmöglichst offenen Blende benutzen (die Blendenzahl im Display also sehr klein ist), erzielen wir nicht die bestmögliche Schärfeleistung für das Objektiv. Die Abbildungsleistung erhöht sich – zum Teil sogar sehr deutlich – sobald wir ein, zwei Stufen abblenden.

Um sich das besser vorzustellen, habe ich hier für euch mit meinem alten, manuellen Minolta 50mm 1.4 zwei Vergleichsbilder einer Zeitungsseite gemacht. Bei beiden Bildern ist das Logo im Zentrum und ich habe manuell auf die Schrift im Logo fokussiert:

Scharfe Bilder durch Abblenden

100% Ansicht bei Blende 1.4

Scharfe Bilder durch Abblenden

100%-Ansicht bei Blende 4.0

Wie ihr seht, wird das Bild abgeblendet sichtbar schärfer. Dieser Effekt ist bei allen Objektiven unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei dem einen Objektiv reicht es aus, eine Stufe abzublenden und beim Nächsten muss man für die beste Leistung drei bis vier Stufen abblenden.

Was für eure Objektive am besten geeignet ist, könnt ihr nur selbst herausfinden. Schraubt eure Kamera auf ein Stativ und macht bei guten Lichtverhältnissen eine Reihe von Aufnahmen mit unterschiedlichen Blenden.

Dabei werdet ihr auch feststellen, dass die Abbildungsleistung nicht unbegrenzt besser wird, je mehr man abblendet. Ab einem gewissen Punkt nimmt die Schärfe sogar wieder ab. Hier tritt die sogenannte „Beugungsunschärfe“ zu Tage. Was das ist, wie man sie vermeidet und was man damit sogar machen kann, erfahrt ihr in einem meiner nächsten Artikel.

5. Brennweite anpassen

Wie bereits im letzten Punkt angedeutet, spielt auch die genutzte Brennweite eine Rolle. Natürlich könnt ihr da bei Festbrennweiten nichts ändern. Aber seid beruhigt, Festbrennweiten haben immer eine sehr gute Schärfe. Denn das Objektiv wird genau auf diese eine Brennweite optimiert.

Anders sieht das bei Zoom-Objektiven aus. Hier muss man sich immer einen entscheidenden Punkt vor Augen führen: Je größer der abgedeckte Brennweitenbereich ist, desto mehr Kompromisse müssen beim Objektivbau eingegangen werden. Die Gesetze der Optik lassen sich einfach nicht außer Kraft setzen. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Schärfe aus.

Deshalb empfehle ich euch Zoom-Objektive nicht im vollen Anschlag zu verwenden. Ein 70-300mm-Objektiv macht zum Beispiel bei 270mm spürbar schärfere Aufnahmen als bei vollen 300mm.

6. Keine hohen ISOs

Mit der ISO-Einstellung wird kurz gesagt das ankommende Signal auf dem Sensor elektronisch verstärkt. Eine höhere ISO bedeutet eine größere Verstärkung, das Bild wird also heller. Leider wird das Signal durch diese elektronische Verstärkung auch „unsauberer“, das sogenannte Bildrauschen tritt auf.

Je mehr ein Bild rauscht, desto mehr geht auch ein gewisser Schärfeeindruck verloren. Außerdem kostet die nachträgliche Bereinigung des Rauschens per Bildbearbeitung auch Schärfe. Nutzt also wenn möglich nur niedrige ISO-Werte um ein wirklich scharfes Bild zu bekommen.

7. Höhere ISOs

Wie? Was ist los? Sagte ich nicht gerade, ihr sollt möglichst niedrige ISO-Einstellungen nutzen?

Ja, das stimmt. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist es besser die ISO zu erhöhen, als sich mit kritischen Belichtungszeiten (siehe Punkt 2) herumzuschlagen. Meine Devise lautet dabei aus Erfahrung: Lieber ein verrauschtes als ein verwackeltes Bild.

Der Grund ist relativ einfach: Unscharfe Bilder sind für die Tonne. Man bekommt aus einem verwackelten Bild kein scharfes mehr gezaubert. Da hilft auch die beste Bildbearbeitung nicht mehr.

Beim Rauschen verhält es sich aber ein wenig anders. Bis zu gewissen ISO-Werten kann man noch recht gut in der Nachbearbeitung dagegen vorgehen.

8. Nach der Bearbeitung schärfen

Wo wir auch gleich beim letzten Tipp sind. Die meisten von euch werden ihre Bilder sicher am PC sortieren und auch bearbeiten. Hier solltet ihr ansetzen, um noch mehr Schärfe aus euren Bildern zu holen.

Moderne Systemkameras sind von Hause aus eher neutral eingestellt, um dem Fotografen den größtmöglichen Spielraum bei der Nachbearbeitung zu lassen. Das bedeutet für euch, dass ihr euren Bildern am PC noch die letzte Schärfe verpassen solltet.

Aber übertreibt es nicht. Zuviel des Guten führt schnell zu unschönen Artefakten im Bild.

Beim Exportieren solltet ihr eure Bilder nach der Bearbeitung noch ein letztes Mal schärfen. Hierbei legt ihr nämlich unter anderem die Ausgabegröße des Bildes fest. Damit bei diesem Skalieren keine Schärfe verloren geht, bietet beispielsweise Lightroom ein abschließendes Nachschärfen je nach Ausgabemedium gleich standardmäßig im Exportdialog an und zwar genau hier:

Richtig scharfe Bilder

Scharfe Bilder leicht gemacht…

Um sich die Arbeit zu erleichtern, empfiehlt es sich für den Export gleich Presets anzulegen. Je nach dem, was ihr mit euren Bildern anstellen wollt, genügt dann beim Export ein einziger Klick. So habe ich mir für verschiedene Anlässe eigene Voreinstellungen gespeichert, z.B. für meinen Blog, für Facebook, für Fotobücher oder auch für eine Diashow auf dem Fernseher.

 

Ich hoffe, ihr konntet alle das ein oder andere für euch entdecken, um in Zukunft richtig scharfe Fotos zu machen. Ich fasse für euch noch einmal das Wichtigste in aller Kürze zusammen:

  • Benutzt ein Stativ!
  • Sanft über den Auslöser rollen.
  • Nicht länger belichten als 1/(Brennweite*Cropfaktor).
  • Ein Objektiv erreicht seine optimale Schärfe erst zwei Stufen abgeblendet.
  • In den Extremen sind Objektive schlechter.
  • Keine zu hohen ISOs benutzen.
  • Lieber ein verrauschtes als ein verwackeltes Bild.
  • Nachschärfen am PC nicht vergessen.

Wenn ihr noch einen anderen Tipp oder Fragen zu den von mir vorgestellten Tipps habt, dann schreibt einfach in die Kommentare. Würde mich freuen, dort von euch zu lesen.

Übrigens, wie ihr nicht nur ein scharfes Foto sondern auch auf dem Foto das Richtige scharf bekommt, verrate ich euch in einem meiner nächsten Beiträge.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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