Mitzieher fotografieren – 5 einfache Schritte um mehr Action ins Bild zu bringen

Mitzieher fotografieren: London Cap

Letzte Woche hatte ich euch anhand einiger Thailandfotos gezeigt, wie man natürliche Rahmen beim Fotografieren einsetzen kann. Dieses Mittel zur Bildgestaltung ist hervorragend bei statischen Motiven geeignet. Was aber tun, wenn sich das Motiv auch noch bewegt?

Zum Beispiel im Sport gilt es immer wieder, schnelle Bewegungen im Bild festzuhalten. Eine Möglichkeit um das zu bewerkstelligen, besteht darin, die Bewegung vollständig einzufrieren – so wie ihr es hier sehen könnt.

Eine andere und äußerst wirkungsvolle Technik Bewegungen auf einem Foto festzuhalten, ist es, die Bewegung als Verwischen des Hintergrundes zu visualisieren – genauso wie bei dem Londoner Taxi auf dem Bild oben.

Diese Technik nennt sich Mitzieher und bietet euch die Möglichkeit, dem Foto Schwung und Dynamik zu verleihen. Das Auge nimmt sowohl Geschwindigkeit als auch die Richtung der Bewegung durch den Wisch-Effekt auf.

Mitzieher zu fotografieren ist dabei gar nicht so schwer, wenn ihr euch an diese fünf Schritte haltet:

Schritt 1: Die richtigen Einstellungen wählen

Bevor es los geht, müsst ihr eure Kamera erst einmal präparieren. Vor allem der Fokus muss passend zu der bevorstehenden Aufgabe gewählt werden.

Stellt dazu in eurer Kamera als Fokusmodus kontinuierlichen Autofokus ein. Bei Sony heißt die Einstellung C-AF und ist unter „AF Modus“ zu finden. Damit versucht die Kamera, ein sich bewegendes Motiv die ganze Zeit scharf zu stellen. Der Fokus wird also kontinuierlich nachgeführt. Andere Kamerahersteller haben für solche Funktionen oft ihre eigenen Bezeichnungen. Schaut einfach in euer Handbuch, dann findet ihr sicher auch den Namen dieser Funktion bei eurer Kamera.

Als Fokusfeld (bei Sony AF-Feld genannt) könnt ihr die Einstellung „breit“ wählen. Damit sucht der Autofokus im ganzen Bild nach dem sich bewegenden Objekt.

Einige Kameras bieten auch eine sogenannte „Objektverfolgung“ an. Ihr markiert dazu eine Stelle im Bild und egal ob ihr oder das Objekt im Bild sich bewegt, der Fokus bleibt auf dieser Stelle. Ich selbst benutze die Funktion nicht für Mitzieher, aber viele andere haben damit gute Erfahrungen gemacht. Wenn eure Kamera diese Funktion anbietet, probiert sie doch einmal dafür aus.

Zu guter Letzt stellt ihr an eurer Kamera noch den Aufnahmemodus auf Zeitpriorität (bei Sony dreht ihr dazu das Wahlrad auf „Tv“). Damit könnt ihr die Verschlusszeit selbst bestimmen. Die entsprechende Blende für ein korrekt belichtetes Bild wählt die Kamera in diesem Modus allein.

Schritt 2: Auf den Hintergrund achten

Mitzieher für dynamische Fotos

Verwischt und doch erkennbar: Der Potsdamer Platz. © Tim Beyenbach

Wo könnt ihr nun einen Mitzieher fotografieren? Eigentlich überall, wo Bewegung zu sehen ist. Das muss nicht immer nur ein Auto sein. Zum Üben eignet sich zwar eine befahrene Straße am Besten.

Aber auch Motorräder, Fahrräder und sogar Jogger können gute Mitzieher abgeben. Selbst Pferderennen und Sportarten mit gleichmäßigen, gerichteten Bewegungen (Rudern, Laufen, aber zum Beispiel auch Weitsprung) können damit dynamisch fotografiert werden.

Achtet bei eurer Wahl aber unbedingt auf den Hintergrund. Zwar könnt ihr selbst bestimmen, ob ihr den Hintergrund bis zur Unkenntlichkeit verwischen wollt. Aber oft ist es der Hintergrund, der einen guten Mitzieher zu einem grandiosen Mitzieher macht.

Hierbei eignen sich einfache, großflächige Strukturen besonders gut für Mitzieher. Diese sind dann auf dem fertigen Foto meistens noch erkennbar. Außerdem wirkt das Bild dadurch nicht so unruhig und der Blick kann sich voll und ganz auf das Hauptmotiv konzentrieren.

Schritt 3: Haltung annehmen

Keine Sorge, ihr müsst nicht zur Bundeswehr und in Reih und Glied marschieren üben. Wer beim Bund als Scharfschütze ausgebildet wurde, hat aber zugegebener Maßen Vorteile beim Fotografieren von Mitziehern.

Denn wichtig ist ein guter und stabiler Stand. Geht dazu leicht in die Knie. Das ist zwar anstrengender, aber ihr könnt die Kamera so viel ruhiger schwenken.

Ich setze außerdem immer meinen rechten Fuß im 90-Grad-Winkel nach hinten (so dass meine Füße ein T bilden). Durch die so eindrehende Hüfte habe ich eine gute Ablage für meinen linken Ellenbogen (die linke Hand hält von unten das Objektiv, die Kamera steht also quasi auf der linken Hand) und gewinne noch einmal etwas Stabilität.

Probiert am Besten selbst aus, mit welcher Körperhaltung ihr die Kamera am ruhigsten führen könnt.

Schritt 4: Das Mitziehen selbst

Mitzieher funktionieren auch bei Pferden

Mitzieher garantieren auch beim Sport dynamische Bilder. © Tim Beyenbach

Jetzt kommen wir zum schwierigsten Teil der ganzen Übung, dem Mitziehen selbst.

Ihr habt die Kamera eingestellt? Ihr habt euch den passenden Hintergrund ausgesucht? Eine stabile Haltung eingenommen? Sehr gut, dann sucht euch jetzt einen Punkt aus, an dem ihr euer Objekt fotografieren wollt. Wenn das Objekt genau diesen Punkt erreicht, drückt ihr ab.

Anvisieren solltet ihr natürlich schon früher. Aber die Erfahrung zeigt, habt ihr euch nicht davor einen Punkt gesucht, an dem ihr abdrücken wollt, macht ihr das Foto zu spät.

Also fokussiert schon frühzeitig euer bewegliches Motiv (drückt den Auslöser dazu nur halb) und schwenkt mit dem Motiv gleichmäßig mit. Nehmt die Geschwindigkeit auf und verfolgt es im Sucher. Wenn das Motiv dann euren bestimmten Punkt erreicht hat, drückt ihr den Auslöser ganz durch.

Ganz wichtig: Ihr unterbrecht dabei die Bewegung der Kamera nicht, sondern schwenkt auch noch beim Drücken des Auslösers und kurz danach schön gleichmäßig weiter. Das erfordert ein wenig Übung, aber die Ergebnisse werden es euch danken.

Als Verschlusszeit für so ein Foto hat sich die Faustformel 1/x Sekunden etabliert, wobei x für die geschätzte Geschwindigkeit des sich bewegenden Objektes in km/h steht. Je nach Brennweite, Abstand zum Motiv und gewünschtem Wischeffekt müsst ihr euch aber bei jedem Motiv aufs Neue an die passende Verschlusszeit herantasten.

Ich selbst fange gerne bei 1/40s an und schaue dann anhand des Bildes ob ich die Verschlusszeit eher ein wenig verlängere oder verkürze. Möchte ich mehr Wischeffekt, verlängere ich die Verschlusszeit.

Wenn die Verschlusszeit zu lang wird und ihr das Foto einfach nicht mehr scharf bekommt, versucht statt dessen den Abstand zum Objekt zu verringern. Entweder durch ein Teleobjektiv oder ganz schlicht, in dem ihr näher ran geht. Auch damit könnt ihr die Stärke des Wischeffektes erhöhen.

Schritt 5: Mitzieher fotografieren üben…

Schwarz-Weiß beim mitziehen

Nicht jede Aufnahme gelingt beim ersten Versuch. © Tim Beyenbach

Diese Technik braucht deutlich mehr Übung als andere Aufnahmetechniken. Bei vielen Aufnahmen werdet ihr zu spät abdrücken (und nur das wegfahrende Auto statt dem heranfahrenden Auto fotografieren) oder die Schwenkbewegung zu früh abbrechen (und dadurch gar keinen Wischeffekt auf dem Bild haben, höchstens euer Hauptmotiv ist dann verschwommen).

Auch mir sind diese ganzen verkorksten Aufnahmen schon einige Male passiert.

Da hilft es nur tief durchzuatmen und noch einmal alle Punkte im Geiste durchzugehen und sich zu konzentrieren:

  1. Sind die Einstellungen für den Fokus richtig gewählt? +- 1/40s Verschlusszeit eingestellt?
  2. Sieht der Hintergrund leicht verwischt noch gut aus?
  3. Habe ich einen stabilen, festen Stand?
  4. Habe ich das Objekt frühzeitig im Fokus?
  5. Ziehe ich gleichmäßig, ruhig mit?
  6. Drücke ich am richtigen Punkt ab?
  7. Ziehe ich die Kamera nach dem Abdrücken noch gleichmäßig weiter?

Wenn ihr diese Fragen beim Mitzieher fotografieren alle mit ja beantworten könnt, werden sich bei euch auch ganz schnell richtig gute Ergebnisse einstellen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser Anleitung ein paar nützliche Tipps geben, wie ihr einen Mitzieher richtig umsetzt.

Einen kleinen Tipp habe ich aber noch: Wenn ihr euren Mitzieher im Kasten habt und die Bilder am Computer sichtet, probiert mal eine Schwarz-Weiß-Bearbeitung eures Bildes. Schwarz-Weiß sehen Mitzieher nämlich erfahrungsgemäß ziemlich klasse aus.

Wenn euch jetzt aber doch noch eine Frage dazu auf den Lippen brennt, schreibt mir einfach im Kommentarbereich. Oder kennt ihr vielleicht selbst noch einen Tipp, mit dem sich Mitzieher noch besser realisieren lassen? Ich würde gerne von euch darüber lesen.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

5 Comments

  1. Das sind super Tipps und auch tolle Bilder, wirklich klasse! 🙂
    Ich mag das Foto, wo du geschrieben hast „nicht jede Aufnahme gelingt beim ersten Mal“ übrigens richtig gerne, ich finde, es hat was, dass die Person durchs Bild geht.
    Und danke für deinen Tipp mit der Butter auf dem Filter, das werde ich mal ausprobieren 🙂
    Liebe Grüße
    Lea

    Reply
    • Hallo Lea,
      vielen Dank. Soviel Lob freut mich natürlich.
      Das Foto war tatsächlich so geplant, dass die zwei Personen den Radfahrer teilweise verdecken und so den Vordergrund bilden. Ich hatte so ein ähnliches Bild schon einmal vor längerer Zeit gesehen, daher auch die Idee. Leider ist der Kopf des Fahrradfahrers nicht ganz so scharf geworden, wie ich es mir gewünscht hätte. Trotzdem mag ich das Bild sehr, deshalb wollte ich es auch zu diesem Beitrag zeigen.
      Manchmal gehören halt auch die Aufnahmen zur Fotografie, die technisch nicht perfekt geworden sind.
      Viele Grüße,
      Tim
      PS: Bin schon auf deine Fotos mit der Butter auf dem Filter gespannt. Ich werde wohl selbst noch einen entsprechenden Beitrag dazu schreiben. Sonst fragen sich hier noch alle, was Butter auf dem Filter verloren hat und was das Ganze mit Fotografie zu tun hat. Ist ja schließlich kein Back-Blog. 😉

      Reply
    • Hallo Shaoshi,
      willkommen auf meinem Blog.
      Ich kann dir nur sagen, trau dich. So schwer ist es wirklich nicht. Die Fotos werden es dir danken.
      Würde mich freuen, wenn du dann mal von deinen Ergebnissen berichtest.
      Liebe Grüße,
      Tim

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