Little Planet erstellen (Teil 2): Die Fotos

Berliner Märchenbrunnen als Little Planet

Im letzten Beitrag hatte ich angefangen, euch ein wenig die Erstellung von Little Planet Fotos näher zu bringen. Darin habe ich euch erklärt, welches Equipment ihr für solche Little Planets benötigt.

Wer allerdings noch so gar nicht weiß, um was es hier eigentlich geht, liest am Besten als Erstes hier rein: Berlin als Little Planet.

Heute ist es endlich soweit, der zweite Teil ist da. Dieses Mal beschäftigen wir uns mit den Einzelbildern, mit denen wir letztlich den Little Planet erstellen.

Was für Bilder brauche ich? Worauf muss ich achten? Ich werde versuchen, euch ein paar Anworten auf diese Fragen zu liefern.

Das Wetter

Little Planet erstellen ist auch vom Wetter abhängig

Das Wetter spielt eine große Rolle für das Endergebnis – auch beim Kanzleramt. © Tim Beyenbach

Das Wetter ist wichtig? Ernsthaft? Ja, das Wetter spielt für solche Fotos immer eine wichtige Rolle.

Gerade der Himmel ist entscheidend, wie ein Little Planet Foto wirkt und meistens ist recht viel Himmel im Bild. Also lohnt es sich, auf das richtige Wetter zu warten.

Wie ihr im Bild oben seht, kann ein grauer Himmel schnell nüchtern und kühl wirken. Sicher hat bei Architekturaufnahmen auch diese Stimmung ihren Reiz.

Mir gefallen Little Planets mit blauem, strahlenden Himmel aber einfach besser. Ich finde, es unterstreicht noch einmal den Planeten-Charakter. Aber sammelt ruhig eure eigenen Erfahrungen und probiert euch aus. Für den Anfang empfehle ich jedoch blauen Himmel mit ein paar kleinen Wölkchen (sonst sieht das reine Blau auch zu trist aus).

Versucht außerdem eure Bilder im Kasten zu haben, während die Sonne relativ hoch steht. Für eine gleichmäßige Belichtung mag das eine Katastrophe sein, für die Nachbearbeitung aber ein Segen.

Denn eine sehr tief stehende Sonne wirft lange Schatten. Nicht nur von den Gebäuden, sondern auch von euch oder dem Stativ. Diese Schatten gilt es schließlich in der Nachbearbeitung wieder zu entfernen.

Wenn ihr selbst bei den Aufnahmen im Schatten steht oder die Sonne nur ganz kurze Schatten wirft, macht ihr euch das Leben danach am PC deutlich einfacher. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche.

Einen letzten Tipp zum Wetter habe ich noch auf Lager: Sucht euch einen relativ windstillen Tag aus.

Insbesondere wenn laubbedeckte Bäume, Fahnen oder ähnlich Windempfindliches im Bild zu finden ist, kann die Software beim Zusammensetzen der Einzelbilder ganz schön ins Schwitzen kommen. Liegen die Blätter aber mangels Wind auf allen Fotos gleich, gibt es später keine Probleme.

Der Standort

Berliner Hauptbahnhof mal anders

Rasen als Untergrund hilft enorm bei der Nachbearbeitung. © Tim Beyenbach

Ihr habt euch einen Tag mit schönem Wetter heraus gesucht? Prima, dann braucht ihr nur noch den richtigen Standort. Ihr habt sicher schon eine Idee, wo ihr so ein Bild machen wollt, oder?

Architektur in jeder Form ist natürlich der Klassiker, aber auch Parks und Landschaften eignen sich hervorragend.

Sogar Innenräume können klappen. Durch die Nähe der abgebildeten Objekte zur Kamera empfehle ich euch dabei jedoch einen Nodalpunktadapter. Ansonsten wird es schwierig sogenannte Parallaxenfehler zu vermeiden.

Wenn ihr euch selbst schlimme Kopfschmerzen beim Nachbearbeiten der einzelnen Fotos ersparen wollt, sucht euch einen einfachen unruhigen Untergrund. Rasen ist absolut ideal, Kopfsteinpflaster ist auch ok. Denn wenn ihr am Ende den Mittelpunkt eures Little Planets (da wo das Stativ bei den Aufnahmen stand) bearbeitet, werdet ihr für einen leicht zu stempelnden Untergrund dankbar sein.

Für den Anfang empfehle ich euch auf jeden Fall Rasen als Untergrund.

Die richtigen Einstellungen

Hierzu gibt es weniger zu sagen, als ihr vielleicht denkt. Denn wie ihr das Bild belichtet, ist nur von eurem Motiv abhängig.

Schaut durch eure Kamera und dreht euch einmal ringsherum. Gibt es irgendwelche krassen Ausreißer? Wichtige Bildteile, die komplett abgesoffen sind? Dann passt die Belichtung noch einmal an. Manchmal konzentriere ich mich so auf mein Hauptmotiv, dass ich einen Rundum-Blick vergesse. Macht also nicht den gleichen Fehler. Dann erlebt ihr beim Sichten der Bilder auch keine bösen Überraschungen.

Worauf ihr aber unbedingt achten müsst, ist, alle Parameter manuell einzustellen.

Ihr könnt natürlich zuerst in einer Halbautomatik schauen, welche Einstellungen eine vernünftige Belichtung ergeben. Aber danach müsst ihr eure Kamera auf den manuellen Modus (meistens als M auf dem Wahlrad gekennzeichnet) umstellen und die Parameter per Hand anpassen.

Hintergrund des Ganzen ist, dass ein Automatikprogramm eurer Kamera bei jedem Bild die Belichtung neu ausmisst. So wählt es möglicherweise für jedes Bild unterschiedliche Einstellungen und die Bilder werden unterschiedlich hell. Hier sind schon Nuancen entscheidend, unterschiedlich belichtete Bilder sind nicht oder nur unter enormen Aufwand vernünftig zusammenzusetzen.

Bei der manuellen Einstellung für Belichungszeit und Blende hört es jedoch nicht auf. Auch die ISO-Empfindlichkeit und den Weißabgleich müsst ihr fest vorgeben. Wenn ihr im raw-Format fotografiert, ist zumindest der Weißabgleich nicht ganz so entscheidend. Ihr könnt ihn später immer noch für alle Bilder gleich einstellen. Aber warum zusätzliche Arbeit machen?

Zu guter Letzt müsst ihr den Autofokus abschalten. Schaut am Besten in eure Bedienungsanleitung, wenn ihr hier nicht weiter kommt. Unterschiede beim Fokus sind ähnlich schwierig zu bereinigen, wie Unterschiede in der Belichtung. Da ihr mit einem möglichst weitwinkligen Objektiv arbeitet, ist der manuelle Fokus relativ leicht eingestellt. Fast immer wird der Fokus bei solchen Bildern auf unendlich stehen. Dreht dafür den Fokusring an eurem Objektiv bis zum Zeichen für Unendlich, eine auf dem Bauch liegende 8.

Die Ausrichtung der Kamera

Ihr habt die Kamera richtig eingestellt, dann rauf damit aufs Stativ. Stellt das Stativ möglichst gerade auf den Boden. Eine Wasserwaage am Stativ hilft euch dabei.

Solltet ihr eine Kamera mit elektronischem Sucher besitzen, könnt ihr oft auch eine elektronische Wasserwaage einblenden. Nutzt diese Möglichkeit, denn je genauer die Ausgangsbilder fotografiert wurden, desto besser passen die Bilder am Ende.

Wie ich im letzten Teil geschrieben hatte, benutze ich für meine Bilder ein sogenanntes Fisheye-Objektiv. Der Blickwinkel ist sehr groß und dadurch muss ich nur relativ wenige Ausgangsbilder machen. Ich nutze die Grad-Einteilung am Stativ und mache aller 45 Grad ein Foto. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Dabei mache ich quasi zwei Runden um das Stativ – einmal mit leicht gesenktem und einmal mit leicht angehobenem Objektiv. Ungefähr so:

Little Planet erstellen: Kameraeinstellungen

Eine Runde nach unten…

Little Planet erstellen: Kameraeinstellungen

und eine Runde nach oben.

Abschließend fotografiere ich noch einmal ganz nach oben.

Danach nehme ich die Kamera vom Stativ und entferne das Stativ. Freihand versuche ich dann ungefähr aus der Position der restlichen Bilder den Boden zu fotografieren. Dieses Foto soll am Ende dort eingefügt werden, wo das Stativ stand. Das Stativ gehört schließlich nicht auf den Little Planet.

Insgesamt komme ich so auf 18 Einzelfotos, mit denen ich den Little Planet erstellen möchte. Wer von euch ein nicht so weitwinkliges Objektiv dafür benutzt, muss möglicherweise je nach Brennweite mehr Fotos machen.

Als Faustregel gilt, macht lieber eins zu viel als eins zu wenig. Wenn ihr am Ende einen schwarzen Fleck im fertigen Bild habt, ist es für eine Korrektur nämlich zu spät.

Der Finger im Bild

Am Ende noch ein kleiner Tipp. Der Tipp gilt nicht nur für Little Planet Aufnahmen, sondern ist bei allen Arten von Panoramen hilfreich.

Wenn ihr unterwegs seid, macht ihr sicher nicht nur ein Panorama. Wahrscheinlich wollt ihr dazwischen auch ganz normal fotografieren.

Mir geht es jedenfalls so. Wenn die Speicherkarte dann von mir Zuhause auf den PC übertragen wird, verliere ich ab und zu schon mal die Übersicht. Da werden schnell Bilder aussortiert, die nach nichts Besonderem aussehen, aber eigentlich zu einem Panorama gehören.

Um das zu vermeiden, fotografiere ich einfach meine Hand vor und nach jedem Panorama. Das sieht dann in der Übersicht so aus:

Little Planet erstellen: Auswahl der Fotos per Lightroom

Selbst in dieser kleinen Anzeige erkennt man sofort, wo die Bilder für den Little Planet beginnen und enden. © Tim Beyenbach

So markiere ich schon unterwegs meine Einzelbilder und kann mir die Bilder ganz einfach in Lightroom zusammensuchen. Probiert es einfach mal aus. Ihr werdet euch ganz schnell daran gewöhnen.

 

So, dass war es auch schon mit dem zweiten Teil meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit ihr einen Little Planet erstellen könnt.

Ich hoffe, ich konnte euch den Einstieg etwas erleichtern und vor einigen Fehlern bewahren, mit denen ich mich am Anfang herum geärgert habe.

Wenn ihr noch Fragen oder Probleme beim Erstellen der einzelnen Fotos habt, schreibt mir einfach in den Kommentaren.

Wenn ihr diesen Teil hilfreich fandet, würde ich mich freuen, wenn ihr ihn auch mit Anderen teilt. Die entsprechenden Buttons stehen euch dafür wie immer unter dem Artikel zur Verfügung.

Im nächsten Beitrag wird sich alles um das Zusammensetzen der Bilder am PC drehen. Wie ihr das mit dem kostenlosen Programm Hugin schafft und wie ihr daraus einen Little Planet macht, zeige ich euch dann ganz ausführlich an einem Beispiel-Planeten. Bleibt also gespannt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

12 Comments

  1. Hallo Tim,
    das ist echt ein super Effekt bei diesen Little Planet Fotos! Danke für die Anleitung, bin schon gespannt auf Teil 3! Habe ein Fisheye bei meiner Actioncam, damit würde ich es mal probieren.
    Mir gefällt auch besonders deine Rubrik „Zitate“ – weiter so!
    Viele Grüße

    Reply
    • Hallo Martina,
      freut mich sehr, dass du dich auf meine Seite verirrt hast.
      Eine Actioncam macht sich für solche Fotos tatsächlich auch ziemlich gut. Musst nur schauen, ob du das Meiste daran manuell einstellen kannst.
      Deine Ergebnisse würden mich in jedem Fall interessieren.
      Liebe Grüße,
      Tim
      PS: Na da muss ich ja gleich mal ein neues Zitat fertig machen, wenn dir diese Rubrik so gefällt.

      Reply
  2. Hallo Tim,

    ich bewundere deine tollen Fotos sehr. Herzlichen Dank, dass du dazu erklärst, wie man diese macht!
    Ein wirklich sehr toller Blog mit sehr hochwertigen Fotos!
    Mach weiter so. Du hast jetzt einen Fan mehr.
    Liebe Grüße
    Kim
    #BloggerKommentierTag

    Reply
    • Hallo Kim,
      schön das du vorbei schaust.
      Freue mich natürlich sehr darüber, einen neuen Fan zu haben. 😉
      Nur Fotos zu machen, wäre mir wahrscheinlich zu wenig. Deshalb schreibe ich auch gerne noch meinen Senf dazu.
      Wenn es dann noch anderen hilft – umso besser.
      Liebe Grüße,
      Tim

      Reply
    • Hallo Tintenhexe,
      willkommen auf timfotografiert.de.
      Ich finde, diese Little Planet Fotos sind immer ein ganz besonderer Hingucker.
      Da lohnt es sich doch einen Moment länger darüber nachzudenken, oder?
      Ich freu mich auf jeden Fall, wenn sie dir gefallen.
      Liebe Grüße,
      Tim

      Reply
  3. Hallo Tim,

    deine Fotos sehen toll aus! Jetzt bekomme ich wieder Lust solche Fotos nachzumachen. Ich möchte schon seit längerer Zeit ein Little Planet Foto machen. Allerdings bin ich dazu irgendwie nicht gekommen. Danke für die hilfreichen Tipps! Ich achte auf deine Ratschläge beim fotografieren und bin schon sehr gespannt ob ich genauso ein gutes Ergebnis hinbekomme 🙂

    Viele Grüße
    Katharina

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