Little Planet erstellen (Teil 1): Die Ausrüstung

Fernsehturm und Marienkirche als Little Planet

Einige von euch haben mich nach meinem Beitrag über Little Planets in Berlin gefragt: „Wie zum Teufel hast du das gemacht? Ich muss sofort wissen, wie das geht!“

Außerdem hatte ich schon im Artikel selbst versprochen, ein solches Foto mit euch zusammen zu erstellen. Versprechen soll man bekanntlich nicht brechen. Deshalb kommt hier der erste Teil meiner Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit ihr euren eigenen Little Planet erstellen könnt.

Da so ein Little Planet nicht in fünf Minuten erstellt ist und etwas Vorarbeit benötigt, wird der Artikel drei Teile haben.

Dieser Teil wird sich um das benötigte Equipment drehen. Im zweiten Teil erkläre ich euch dann, wie und wo ihr die Bilder am Besten aufnehmt. Im letzten Teil geht es dann um die Arbeit am PC und das konkrete Zusammensetzen eures kleinen Planetens.

Ihr könnt einfach mitmachen und die Anleitung so Schritt für Schritt nachverfolgen. Fangen wir am Besten gleich an.

Was brauche ich, um einen Little Planet zu erstellen?

Solch ein Foto hat für das Equipment sehr ähnliche Anforderungen wie normale Panoramabilder auch. Ganz wichtig ist eine Kamera mit einem möglichst weitwinkligen Objektiv und ein Stativ.

Wie bei einem normalen Panorama solltet es eine Kamera sein, die einen manuellen Modus anbietet – bei der ihr also Blende, Verschlusszeit und ISO selbst wählen könnt. Sonst habt ihr vielleicht vom Motiv gut passende Einzelbilder, aber die Kamera hat alle Bilder unterschiedlich belichtet. Diese Unterschiede dann mittels nachträglicher Bildbearbeitung zu korrigieren ist sehr mühsam bis fast unmöglich.

Das Objektiv

Fisheye zum erstellen von Little Planets

Ein Fisheye erleichtert die Arbeit bei der Erstellung von Little Planets enorm. © Tim Beyenbach

Wie oben schon gesagt, sollte das Objektiv ein Weitwinkelobjektiv sein. Je kleiner die Brennweite, desto besser. Schließlich wollen wir ein Rundumpanorama fotografieren. Den größten Vorteil bieten hier sogenannte Fisheyes. Sie haben einen sehr großen Blickwinkel und dadurch sind nur wenige Einzelbilder nötig, um ein 360°-Panorama aufzunehmen.

Wer kein Fisheye sein Eigen nennt, muss mit deutlich mehr Einzelbildern und Aufnahmen in mehreren Reihen arbeiten. Das führt einerseits zu einer größeren Dateimenge, die schließlich verarbeitet werden muss und andererseits zu mehr Zeitaufwand, der durch das Zusammensetzen der vielen Bilder entsteht. Ich selbst benutze das 8mm-Fisheye von Walimex an einer Soy NEX 5r und bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Das Stativ

Beim Stativ solltet ihr darauf achten, dass ihr kein ganz billiges Klappergestell für solche Aufnahmen nutzt.  Ihr tut euch damit selbst keinen Gefallen. Denn wenn die Aufnahmen am Ende nicht passen, werdet ihr am PC später bei der Nachbearbeitung wahnsinnig. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung.

Stativkopf zum Little Planet erstellen

Eine Gradunterteilung direkt am Stativ © Tim Beyenbach

Die Aufnahmen werden euch schneller gelingen, wenn am Stativ schon eine Grad-Einteilung vorhanden ist und ihr euch bei den Einzelaufnahmen danach richten könnt.

Auch eine sogenannte Libelle, die anzeigt wann das Stativ gerade steht, macht am Stativ eine Menge Sinn. Aber keine Sorge, solche Libellen könnt ihr auch günstig einzeln kaufen und einfach auf den Blitzschuh eurer Kamera stecken.

Libelle am Stativ

Ob im Stativ oder auf dem Blitzschuh, eine Libelle ist in jedem Fall nützlich. © Tim Beyenbach

Der Nodalpunktadapter

Ein was? Braucht man das? Jein.

Ein Nodalpunktadapter ist dafür da, sogenannte Parallaxenfehler bei Panoramen auszugleichen. Was so ein Parallaxenfehler bedeutet, ist schnell erklärt. Nehmt einfach mal einen Finger vor eure Augen und dreht dann den Kopf. Ihr werdet sehen, der Finger verschiebt sich gegenüber dem Hintergrund je nach Drehung.

Diese Verschiebung nennt man Parallaxenfehler, da bei einem Panorama das gleiche passiert und die Aufnahmen beim Zusammensetzen schlecht passen. Um dem entgegen zu wirken, gibt es den Nodalpunktadapter. Ihr könnt ihn kaufen oder selbst bauen. Hier findet sich zum Beispiel eine Bauanleitung dafür.

Das ist ganz schön aufwendig, nur um so ein Foto mal ausprobieren zu wollen, oder? Ich verrate euch was: Ich benutze keinen Nodalpunktadapter…

Dafür habe ich noch einen Tipp für euch, mit dem ihr auf so einen Aufsatz verzichten könnt und gleichzeitig Parallaxen im Bild vermeidet.

Parallaxen haben die Eigenart, mit zunehmender Entfernung abzunehmen. Wenn ihr also ein Motiv sucht, achtet darauf, dass sich im unmittelbaren Vordergrund keine Objekte befinden – also zum Beispiel Zäune, Masten oder Gitter.

Damit solltet ihr das Problem im Griff haben. Wenn ihr euch aber nach den ersten Versuchen absolut für diese Little-Planet-Fotografie begeistert, könnt ihr immer noch so einen Adapter aufrüsten.

Die Software

Einen Little Planet erstellen funktioniert am Ende nur, wenn ihr die Einzelbilder am PC vernünftig zusammensetzt. Für die Little Planets auf meinem Blog habe ich die Software Hugin genutzt.

Hugin hat zwei entscheidene Vorteile. Erstens ist es ein sehr mächtiges Tool zum Erstellen von Panoramen, mit dem ihr eure Bilder einfach aber auch hochwertig zusammensetzen könnt.

Zweitens ist es völlig gratis…

Damit ist es die ideale Wahl, um in diese Art der Fotografie einmal hinein zu schnuppern.

Bevor wir uns im zweiten Teil auf die Socken machen, empfehle ich euch, das Programm schon mal auf eurem Rechner zu installieren. Ihr könnt Hugin hier herunterladen: Hugin Download Seite.

Keine Sorge, Hugin ist wirklich komplett Open Source und kostenfrei.

 

Ich hoffe, ihr konntet einen kleinen Überblick gewinnen, was für Equipment nötig ist, um einen Little Planet zu erstellen. Jetzt heißt es nur noch, Akkus laden und Speicherkarte leeren.

Im nächsten Teil begeben wir uns nämlich vor die Tür und suchen uns den passenden Punkt für unsere Little Planet-Aufnahmen.

Wenn ihr noch Fragen zum Equipment oder zu Little Planets ganz allgemein habt, dann postet eure Fragen gerne in die Kommentare.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

9 Comments

  1. Solche „Planeten“ habe ich auch schon öfters mal erstellt, aber meist eher so nebenher, wenn ich in verlassenen Industrieruinen unterwegs war o.Ä. Leider aber ohne Nodalpunktadapter, es geht auch ohne, aber – wie du ja selbst auch schreibst – gerade bei näheren Motiven ist es schon sehr nachteilig ohne. Z.B. wenn man eine Werkshalle von innen her fotografiert. Spaß mach es trotzdem 😀

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  2. Hallo Finn,
    Innenräume als Little Planet steht auch noch auf meinem Programm. Lost Places bieten sich dafür natürlich bestens an.
    Ich werde erst mal weiter ohne Nodalpunktadapter fotografieren. Es gibt sogar Fotografen, die die Bilder für das entsprechende Panorama frei Hand aufnehmen können.
    Spaß macht diese Art von Fotos in jedem Fall. Die Ergebnisse sind für mich immer wieder faszinierend.
    Allzeit gut Licht,
    Tim

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  3. ich muss gestehen, ich wusste gar nicht, dass man sowas auch klassisch mit kamera und pc software hinbekommt ^.^ dabei war das eigentlich natürlich schon klar 🙂 ich hab mir vor jahren fürs iphone mal so eine app runtergeladen und festgestellt: mit dem richtigen ausgangsbild sind die dinger echt toll. oft genug hab ichs aber auch versemmelt. ich sollte das unbedingt mal wieder versuchen 🙂

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  4. Ja, das richtige Panorama ist der Schlüssel zu einem guten Little Planet Foto. Je besser das Ausgangsbild, desto besser das Ergebnis.
    Was für eine App hast du denn dafür benutzt? Könnte mir das gut zum Ausprobieren vorstellen, damit man schon davor sieht, ob sich der Aufwand lohnt.

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  5. Hey Tim,

    Erst letztens habe ich ein Werbeplakat mit einem Little Planet gesehen und habe mich gefragt, wie die Zusammensetzung funktioniert, toll dass ich es hier jetzt nachlesen kann. Vielleicht probiere ich es später dann auch mal aus, komme also nochmal wieder 😉
    VG Katharazzi

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  6. Hallo Katharazzi,
    herzlich willkommen auf meinem Blog.
    Da wird es dich sicher freuen zu hören, dass gerade der zweite Teil dieser Anleitung online gegangen ist.
    Ich bin schon sehr gespannt auf deine Ergebnisse. Vielleicht zeigst du sie ja dann mal auf deinem Blog.
    Viele Grüße,
    Tim

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