Berlin als Little Planet – Die Hauptstadt neu entdeckt

Little Planet Berlin

Ich war mal wieder in Berlin unterwegs. Und obwohl ich bei schönstem Sonnenschein unterwegs war, hatte ich neben meiner Kamera auch mein Stativ auf den Rücken geschnallt. Als Ziel wollte ich ein paar der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins ansteuern.

Aber wozu das Ganze? Berliner Sehenswürdigkeiten gehören jetzt nicht unbedingt zu den seltenen Fotomotiven. Der Fernsehturm, der Dom oder der Reichstag werden tagtäglich von tausenden Besuchern in jeder erdenklichen Perspektive abgelichtet.

Aus diesem Grund habe ich mir auch etwas Besonderes für euch einfallen lassen. Es handelt sich um eine Möglichkeit, bereits zu Tode fotografierten Plätzen einen neuen spannenden Blickwinkel zu geben: Ein Panorama als sogenannter Little Planet.

Natürlich habe ich das Rad nicht neu erfunden. Little Planets gibt es schon länger. Aber mittlerweile ist es aufgrund immer besserer Software immer leichter geworden solche Fotos zu machen.

Früher musste man noch stundenlang die vielen einzelnen Fotos zu einem Panorama zusammenbasteln, heute erledigen aktuelle Panoramaprogramme die Hauptarbeit. Für den Feinschliff muss aber immer noch der Fotograf selbst ran.

Was ist überhaupt ein Little Planet?

Kurz gesagt ist ein Little Planet nichts anderes als eine andere Art von Panorama. Dabei wird eine Kugelfläche auf eine Ebene projeziert. Das Ganze nennt sich stereographische Projektion.

Diese Art der Darstellung war schon den alten Griechen bekannt. Ein Astrolabium macht sich zum Beispiel diese Projektionsart zu Nutze. Damit wurde der Himmel auf Sternkarten abgebildet. Aber genug von Hipparchos und Ptolemäus, die als die Erfinder des Astrolabiums überliefert sind.

Wer von euch noch mehr über diese Art der Projektion wissen möchte, der folgt einfach den Links oben zu Wikipedia. Dort gibt es auch einige Abbildungen zu dem Thema und die entsprechenden mathematischen Herleitungen.

In der Fotografie bedient man sich dieser Projektion, um normale Panoramen in kleine Welten zu verwandeln.

Die Grafitti-Welt mit Fernsehturm

Berliner Little Planets: Der Fernsehturm

Der Fernsehturm als Little Planet © Tim Beyenbach

Jetzt geht es endlich los mit den Bildern und den Anfang macht das wohl markanteste Gebäude in Berlin: Der Fernsehturm. Wie ich schon mal im Zuge des letztjährigen Festival of Lights erwähnt habe, ist es wirklich schwierig ein vernünftiges Foto vom Fernsehturm zu bekommen.

Umso mehr freut es mich, den Telespargel zusammen mit dem Roten Rathaus, der St. Marienkirche und dem Neptunbrunnen auf ein einziges Foto gebannt zu haben. Ein Grafitti auf dem Boden darf dabei natürlich ebenso wenig fehlen, wie die Touristen und einige Baukräne im Hintergrund.

Wer genau hinsieht, erkennt sogar das Park Inn hinter dem Fernsehturm ganz klein hervorschauen.

An dem Bild lässt sich schon eine wichtige Voraussetzung für einen Little Planet erkennen: Ihr braucht ein echtes 360°-Panorama als Ausgangsmaterial. Im Idealfall sollte es sich sogar um ein 360° x 180°-Panorama handeln.

Der Berliner Dom als Schwarz-Weiß-Welt

Little Planet Berliner Dom

Macht auch als Schwarz-Weiß-Aufnahme eine gute Figur: Der Berliner Dom © Tim Beyenbach

Wirken Little Planets auch in Schwarz-Weiß? Dieser Frage bin ich im Lustgarten – eingerahmt vom Alten Museum auf der einen und der Humboldtbox auf der anderen Seite – nachgegangen. Für mich war es genau der richtige Standort, um den Berliner Dom abzulichten.

Auch hier findet man zahlreiche Kräne im Hintergrund. Ihr könnt sogar den Grund für die Bautätigkeiten auf dem Foto erkennen: Das neue Stadtschloss nimmt hinter der Humboldtbox langsam Gestalt an.

Mir gefällt das Schwarz-Weiß hier besonders gut. Auch wenn das Planetenfeeling vielleicht etwas darunter leiden muss, hat die Abbildung auf mich einen umso stärkeren grafischen Reiz. Ich könnte mir drei von solchen Schwarz-Weiß-Welten sehr gut als Serie an der Wand vorstellen. Aber ich bin auch ein bekennender Liebhaber von Schwarz-Weiß-Fotografien.

Der Röhrenreichstag

Reichstag als Röhre

Der Reichstag als invertierter Little Planet © Tim Beyenbach

Moment mal, den Reichstag habt ihr hier schon gesehen. Und zwar ganz oben, als Titelbild. Ich gebe zu, ich zeige euch ganz dreist einfach nochmal das gleiche Bild.

Was sagt ihr? Sieht doch ganz anders aus? Ja, ihr habt Recht – ich aber auch…

Für das Titelbild und dieses Röhrenfoto wurden die gleichen Ausgangsbilder verwendet und dadurch auch das gleiche Panorama. Nur die stereographische Projektion hatte ein anderes Projektionszentrum.

Wie ihr sehen könnt, gibt es unzählige Möglichkeiten und Spielereien mit Little Planets. Habt ihr auch Lunte gerochen und wollt euch jetzt selbst an so einem Little Planet-Foto versuchen?

Wie wärs, wenn wir das gemeinsam tun und zwar Schritt für Schritt.

Aus diesem Grund wird es hier von mir eine ausführliche Anleitung zum Erstellen eures eigenen Little Planets geben. Ihr könnt mir darin von den Vorbereitungen bis zu den letzten Handgriffen am PC über die Schulter schauen und zeitgleich selbst einen eigenen Versuch starten.

Die ersten Teile könnt ihr schon hier lesen: Little Planet erstellen (Teil 1): Die Ausrüstung und Little Planet erstellen (Teil 2): Die Fotos.

Kennt ihr vielleicht noch jemanden, der sich auch für so eine Anleitung interessieren könnte und mit mir zusammen einen Little Planet bauen möchte? Dann teilt diesen Artikel ganz einfach per Whatsapp, Twitter oder Facebook. Die entsprechenden Buttons findet ihr gleich hier unten.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

4 Comments

  1. Wirkt strahlend, aber etwas unheimlich xD Ich finde, das Bild in sw sieht wie eine Karte, älter, aus. Aber es hat nicht die Kraft eines Farbbildes.

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