Licht kennt keine Grenzen – Erfahrungsbericht zur Lichtgrenze 2014

Lichtgrenze 2014

Letztes Wochenende haben wir alle das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls gefeiert. Berlin hatte sich dafür etwas ganz besonderes ausgedacht: Knapp 7000 Ballons markierten auf ca. 15 Kilometern den ehemaligen Verlauf der Mauer. 25 Jahre nach dem Mauerfall wurde die Stadt also erneut geteilt. Diesmal jedoch nur für ein Wochenende. Am Sonntag Abend wurde die Trennung Berlins wieder aufgehoben, die Ballons flogen gen Himmel.

Ich hatte hier bereits im Vorfeld auf die Aktion aufmerksam gemacht und war natürlich auch am Wochenende vor Ort. Was ich dabei erlebt und welche fotografischen Erfahrungen ich gemacht habe, will ich euch – genauso wie ein paar Bilder – natürlich nicht vorenthalten.

Startpunkt Oberbaumbrücke

Von der Oberbaumbrücke startete ich Samstag mit Stativ und Kamera auf meine Wanderung an der Lichtgrenze entlang. Ich kann euch sagen, unglaublich viele Menschen schienen die gleiche Idee gehabt zu haben. Es war brechend voll. Ich konnte mich nur in einer Welle von Menschen mit dem Strom bewegen. An den Aufbau eines Statives war nicht wirklich zu denken und so entschloss ich mich, darauf zu verzichten. Ich stellte meine Kamera also so ein, dass ich mit Freihandaufnahmen mein Glück versuchen konnte. Das bedeutete: Blende auf, Verschlusszeit so kurz wie nötig um nicht zu verwackeln und die ISO so hoch wie nötig.

Die East Side Gallery entlang waren natürlich die leuchtenden Ballons aufgestellt. Einige waren beschädigt oder leuchteten nicht mehr. Darum kümmerte sich aber ein Reparaturteam, dass mit einem Wagen und vielen Ersatzballons die Strecke unermüdlich abfuhr.

Ansonsten bot die East Side Gallery eine Fülle von interessanten Motiven. Diese Motive bietet der ehemalige Mauerstreifen aber ehrlich gesagt auch sonst. Die Ballons dazu waren zwar nett anzusehen, brachten für mich aber keinen großen fotografischen Mehrwert. Aber man konnte sie gut als wiederkehrendes Element einer Serie benutzen:

Durch Stock und Stein

Hinter der East Side Gallery wurde es leider nicht viel leerer, die Wege dafür schmaler. Teilweise ging es auch durch offenes Gelände, aber zum Glück nur kurz. Auf dem Weg Richtung Checkpoint Charlie entstand auch das Titelbild, welches ich nur durch einen gut positionierten Zaun, den ich als Auflage nutzen konnte, nicht verwackelt habe.

Außerdem gab es zahlreiche Ballons auf der Strecke, die mehr oder minder sinnige Botschaften trugen. Am häufigsten konnte ich die folgenden Worte lesen:

Lichtgrenze 2014

Lichtgrenze 2014 © Tim Beyenbach

In Richtung Innenstadt wurden die Wege immer voller und so richtig konnte ich den leuchtenden Ballons fotografisch nichts abgewinnen. Viel zu groß war dafür allein schon der Helligkeitskonstrast zwischen den Ballons und der restlichen Umgebung. Zumindest für Freihandaufnahmen und den damit einhergehenden kurzen Verschlusszeiten war das alles andere als optimal. Bunte Ballons hätten die Lichtgrenze vielleicht auch nochmal aufgewertet.

Also entschied ich mich für den Heimweg und hoffte auf den nächsten Tag. Zum Steigenlassen der Ballons war ein Besuch des Potsdamer Platzes  geplant, vielleicht würde sich da noch das ein oder andere Motiv ergeben.

Lichtgrenze 2014

Spiegelung der Lichtgrenze © Tim Beyenbach

Chaos am Potsdamer Platz

Der nächste Abend kam schneller als gedacht und so machte ich mich auf den Weg zum Potsdamer Platz. Noch im U-Bahnhof traf mich allerdings fast der Schlag. Schon wieder so viele Menschen… Es dauerte fast eine halbe Stunde bis ich überhaupt den U-Bahnhof verlassen hatte und auf dem Platz selbst das Steigen der Ballons verfolgen konnte.

In weiser Voraussicht hatte ich das Stativ daheim gelassen und stattdessen meine lichtstarke 50mm-Festbrennweite auf der Kamera. So gerüstet wartete ich in der riesigen Menge Schaulustiger, wann es endlich losgehen würde.

Lichtgrenze 2014

Er hatte sich den besten Platz für die fliegenden Ballons ergattert. © Tim Beyenbach

Als es dann endlich los ging, wurde das Aufsteigen der Ballons mit großem Jubel begleitet. Zu meiner Enttäuschung wurden die Ballons leider in der Luft nicht mehr angeleuchtet. Das war wohl nur am Brandenburger Tor der Fall. So gab es zwar unzählige Handys und Kameras, die Richtung Himmel gereckt wurden. Das die meisten Bilder davon etwas geworden sind, muss ich leider leider bezweifeln.

Lichtgrenze 2014

Nur eines der zahlreichen Handybilder © Tim Beyenbach

Rückblickend war die ganze Aktion sicher ein Erfolg. Touristen und Berliner gleichermaßen haben die Lichtgrenze angenommen und sind am Wochenende auf dem ehemaligen Mauerweg entlang gegangen.

Vielen – gerade Jüngeren – ist vielleicht zum ersten Mal das Ausmaß der Teilung bewusst geworden. Auf der ganzen Strecke meines Weges konnte ich immer wieder Gespräche über die Teilung von Ost- und Westberlin mitverfolgen. Insofern war die Lichtgrenze ein wichtiger Beitrag, um die Geschichte wieder lebendig zu machen und in das Bewusstsein zu holen.

Rein fotografisch betrachtet, war die Lichtgrenze für mich persönlich leider ein Flop. Ich hatte mir einfach mehr erwartet. Interessantere Motive und mehr Platz fürs Stativ. Vielleicht konnte ich die Möglichkeiten auch nur nicht angemessen nutzen. Oder ich war von den Motiven des Festival of Lights noch zu sehr verwöhnt.

Ich hoffe, ihr konntet dennoch einen kleinen Einblick vom 25-jährigen Mauerfalljubiläum erhalten. Wie waren eure Erfahrungen mit der Lichtgrenze 2014? Konntet ihr fotografisch mehr daraus ziehen oder war es für euch auch so schwierig gute Bilder zu machen? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen in den Kommentaren mitteilt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

Lichtgrenze 2014

Manche Bilder ändern sich auch nach 25 Jahren nicht © Tim Beyenbach

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