Eine Frage des Bildformats

Nicht immer ist es so einfach, das richtige Format zu wählen © Tim Beyenbach

Wenn ich von Freunden, Familie oder Bekannten Fotos ansehe, bemerke ich immer, dass ich spätestens nach 50 Bildern im Querformat müde werde. Warum? Ganz einfach, weil ich Abwechslung brauche. Als derjenige, der Fotos betrachtet, möchte ich unterhalten werden. Ich möchte Spannung.

Ich weiß, auch Fotos im Querformat können spannend und fesselnd sein. Aber die Mischung machts. Ab und zu ein Foto im Hochformat lockert das Zeigen der Fotos enorm auf. Außerdem sind für die Augen der meisten von uns Hochformataufnahmen ungewöhnlich. Unsere Aufmerksamkeit wird viel eher durch neue, ungewöhnliche Eindrücke gefesselt. Auch wenn das Ungewöhnliche nur darin besteht, dass ein anderes Format gewählt wurde.

Schaut einfach mal eure letzten Urlaubsbilder durch. Wieviel davon habt ihr im Hoch- und wieviel im Querformat gemacht? Ich wette, über 90 % der Bilder sind im Querformat entstanden. Bei mir persönlich ist es eher anders herum. Ich bin ein bekennender Hochformatliebhaber. Deshalb möchte ich hier die Gelegenheit beim Schopfe packen, um eine Lanze für das großartige Hochformat zu brechen.

Hochkant ist das neue Quer

Viele Bilder sehen im Hochformat einfach spannender aus – nicht nur Bilder vom Eiffel- oder vom Fernsehturm. Gerade Straßenszenen oder Ganzkörperportraits profitieren vom Hochformat. Die natürlichen Proportionen eines Menschen kommen so viel besser zur Geltung und auf der Straße führt das Hochformat zu interessanten Perspektiven. Das Format wird nicht umsonst auch Portraitformat genannt.

Eine Frage des Formats

Straßenszene in Bangkok © Tim Beyenbach

Auch Architekturaufnahmen können durch ein anderes Format deutlich spannender wirken. Hier scheint es oft, als würde der Bildausschnitt komprimiert abgebildet werden. Diese Verengung führt den Betrachter schneller ins Geschehen und erzeugt Spannung. Probiert es einfach mal aus. Ihr werdet überrascht sein, wie einfach ungewöhnliche und frische Bildperspektiven entstehen.

Der Sonnenuntergang ist ja hochkant

Nicht zuletzt bekommen auch Landschaftsaufnahmen eine ganz andere Wirkung, wenn sie hochkant aufgenommen wurden. Hierbei fällt es auch viel einfacher, eine gewisse Tiefenwirkung zu erzielen.

Insbesondere Strände, Meere und Sonnenuntergänge werden meistens quer geknipst. Der Vordergrund wird dann gerne bei der Komposition vergessen. Außerdem wird der Horizont mindestens genauso gerne in die Mitte des Bildes gelegt.

Im Hochformat schiebt sich dagegen ganz natürlich der Strand und vielleicht ein großer Stein oder Ast in den Vordergrund. Sowas macht sich als Blickfang für den Vordergrund sehr gut.

Darüber (ungefähr bei einem Drittel des Bildes beginnend) nimmt dann das Meer mit den Spiegelungen des Sonnenunterganges das Augenmerk des Betrachters als Hauptmotiv ein. Ungefähr bei zwei Dritteln liegt dann idealer Weise der Horizont mit der untergehenden Sonne als Eyecatcher. Im obersten Drittel findet man dann den Himmel als Hintergrund.

Wenn dann nicht gerade ein komplett wolkenfreier Himmel vorherrscht (auch der kann manchmal seinen Reiz haben), sondern ein paar Wolken und das sich darin brechende Licht der letzten Sonnenstrahlen dem Himmel die nötige Dramatik verleihen, dann steht einem gelungenen Urlaubsmotiv nichts mehr im Wege. Hier noch ein kleiner Extratipp: Wenn der Himmel wirklich dramatisch aussieht, dann sollte das auch das Hauptmotiv sein. Legt die Horizontlinie dann einfach auf das untere Drittel, um dem Himmel mehr Platz zu geben.

Zwei sind besser als ein Falsches

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob eine Aufnahme im Hoch- oder Querformat besser ausseht, probiert einfach beides aus. Speicherkarten kosten wirklich nicht mehr die Welt. Dann könnt ihr Zuhause am heimischen Rechner beide Formate auf euch wirken lassen und euch für das bessere entscheiden.

Ganz nebenbei geht ihr so noch einem anderen Problem aus dem Weg: Gerade bei Fotobüchern muss man häufig mit den Bildern jonglieren, damit sie auf die Seite passen. Ich habe mir schon häufiger gedacht, hier würde dieses oder jene Bild perfekt auf die Fotobuchseite passen. Nur leider im jeweils anderen Format. Wenn ihr dann das Bild sowohl im Hoch- als auch im Querformat aufgenommen habt, könnt ihr frei wählen. Das trifft natürlich nicht nur auf Fotobücher, sondern auch auf Bilderrahmen, Handy-, Tablet- und PC-Hintergründe zu.

Quadratisch, praktisch, gut

Quadrat als Format

Alle Bildelemente sind im Gleichgewicht, dank des quadratischen Beschnitts © Tim Beyenbach

Ihr müsst natürlich nicht ausschließlich auf das Hoch- oder Querformat setzen. Manchmal lohnt es sich auch, andere Formate auszuprobieren. Quadratisch ist zum Beispiel sehr beliebt, um ausgewogene Szenerien darzustellen. Das Seitenverhältnis von 1:1 stellt dabei ein natürliches Gleichgewicht zwischen den Bildelementen her. Bilder mit quadratischem Beschnitt eignen sich übrigens hervorragend zum Aufhängen, besonders wenn es mehrere davon gibt. Dieses Format stellt ihr nicht an der Kamera ein, sondern beschneidet das Bild wenn möglich nachträglich am PC.

Panorama

Panoramen erfreuen sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit. Hierbei wird das Querformat ins Extreme gesteigert. Gut komponierte Landschaften sind zwar nicht so einfach, aber als Panorama ein echter Hingucker. Auch ein Panorama bezieht viel Spannung aus dem ungewöhnlichen Bildformat. Hierbei ist fast jedes Seitenverhältnis denkbar, oft haben Panoramen ein Seitenverhältnis von 1:2, 1:3 oder 1:4. Aber auch 1:7 habe ich schon gesehen. Macht einfach eure eigenen Erfahrungen.

Viele neuere Kameramodelle beherrschen mittlerweile Freihand-Panoramen. Man führt die Kamera nur noch möglichst gerade von links nach rechts, den Rest übernimmt die Kamera mit Dauerfeuer. Hier mal ein Beispiel, wie weit die Technik für faule Fotografen schon gediegen ist:

Mittlerweile sind auch Freihand-Panoramen ganz ansehnlich  © Tim Beyenbach

Mittlerweile sind auch Freihand-Panoramen ganz ansehnlich © Tim Beyenbach

Für richtig gelungene Ergebnisse solltet ihr aber lieber Einzelbilder von Hand am PC zusammensetzen. Wie ihr das am einfachsten bewerkstelligt und was ihr dabei beachten solltet, erkläre ich euch in einem meiner nächsten Artikel.

Ich hoffe, ihr konntet ein paar Dinge über die verschiedenen Bildformate lernen. Und vielleicht konnte ich den ein oder anderen von euch überzeugen, auch mal ein anderes Format auszuprobieren. Oder fotografiert ihr sogar lieber hochkant? Wie sind eure Erfahrungen mit den verschiedenen Formaten?

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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