Nur nicht aus dem Rahmen fallen

Der natürliche Rahmen

Zu einem guten Foto gehört mehr als ein hübsches Motiv. Als Fotograf solltet ihr euch immer fragen, wie kann ich mein Motiv am besten in Szene setzen. Dazu gehört eine spannende Perspektive genauso wie ein interessantes Bildformat.

Eine andere Möglichkeit, Fotos abwechslungsreicher zu gestalten, ist der „natürliche Rahmen“.

Sicher habt ihr selbst schon einmal bemerkt, dass ein Bild an der Wand einfach besser wirkt, wenn es sich in einem schicken Rahmen wiederfindet. Das Motiv wird dadurch hervorgehoben und der Bilderrahmen grenzt das Foto von anderen ab. Dieser äußere Abschluss führt dazu, dass der Blick des Betrachters nicht aus dem Bild gleitet und er sich so voll und ganz auf das Motiv konzentrieren kann.

Was aber hat das mit einem natürlichen Rahmen zu tun? Natürlich möchte ich euch nicht erzählen, dass nur Bilderrahmen aus natürlichen Materialien empfehlenswert sind.

Vielmehr geht es darum, den Rahmen auf natürliche Weise bereits in das Foto selbst zu integrieren. Was ihr damit machen könnt, versuche ich euch anhand einiger meiner eigenen Fotos aus Thailand zu zeigen.

Den Blick führen

Der natürliche Rahmen

Der Blick des Betrachters wird unweigerlich zum James-Bond-Felsen geführt. © Tim Beyenbach

1974 landete 007 bereits vor dieser beindruckenden Felsnadel im Ao Phang Nga Nationalpark. Auch wenn James Bond keine Zeit hatte, um dort die Schönheit der Natur zu bestaunen, zieht es doch immer wieder Touristen zu dieser berühmten Insel mit seinem Felsen.

Für mein Foto wählte ich einen etwas erhöhten Standpunkt, den wir während unserer Überquerung der Insel erreichten. Hier dienten mir die Steine am Boden und das dichte Blattwerk um uns herum als Rahmen.

Der Blick fokussierte sich dadurch automatisch auf den Felsen. Denn so eine Umrahmung lenkt den Blick des Betrachters regelrecht zum Hauptmotiv hin. Dabei kann – wie ihr hier seht – der Rahmen eigentlich alles sein: Felsen, Bäume, Äste, Sträucher. Nicht alles davon muss dabei genau zu erkennen sein.

Wenn ihr ein Motiv ausgemacht habt, begebt euch auf die Suche nach Dingen, zwischen denen ihr hervor fotografieren könnt. Ein weiterer Vorteil daran ist, dass das Motiv nicht so allein steht, sondern in seine Umgebung eingebunden wird.

Dem Foto Tiefe geben

Bildgestaltung: Der natürliche Rahmen

Die Ruinen bildeten den perfekten Rahmen. © Tim Beyenbach

Die Ruinen von Ayutthaya bieten eine wunderbare Kulisse für außergewöhnliche Fotos. Die alten Tempelanlagen haben allerdings auch mit zwei Problemen zu kämpfen: Viele Touristen strömen tagtäglich auf die Anlage und der Zahn der Zeit nagt ebenfalls unaufhaltsam an den alten Bauwerken. Es gibt kaum eine Zeit, zu der man ungestört und ohne eine Menschenseele dort Fotos machen könnte, außerdem mussten viele Türme mit Gerüsten gestützt werden.

So auch bei diesem Bild. Was ihr nicht sehen könnt, am linken Bildrand befindet sich ein hässliches blaues Gerüst, welches mir das ganze Bild zerstört hätte. Darum suchte ich nach einer Möglichkeit, genau dieses Gerüst verschwinden zu lassen.

Die Lösung war simpel. Ich musste nur in die Hocke gehen, denn genau vor meinen Füßen befanden sich jene Säulenreste, die ihr nun unten bzw. links im Foto seht.

Aber der veränderte Standpunkt hatte noch weitere Vorteile: Nicht nur, dass die Steinreste das Hauptmotiv aufgreifen und in seine Umgebung einbinden. Durch diesen natürlichen Rahmen hat das Bild auch einen Vordergrund bekommen. Das ist ein Vorteil, der häufig unterschätzt wird. Nicht umsonst lautet eine alte Fotografenweisheit: „Vordergrund macht Bild gesund“.

Eine einfachere Möglichkeit, dem Foto Tiefe bzw. eine gewisse Dreidimensionalität zu verleihen, werdet ihr nur schwer finden. Probiert es selbst aus, ihr werdet erstaunt sein.

Eine Geschichte erzählen

Manchmal verrät der Rahmen sogar noch mehr über das Motiv selbst, so wie hier:

Der natürliche Rahmen

Hier bildet die Scheibe des Zuges den Rahmen. © Tim Beyenbach

Dieses Foto habe ich auf dem Mae Klong Railway Market nahe Bangkok aufgenommen. Der Markt hat sich genau im Gleisbett der dortigen Zugstrecke angesiedelt, wodurch er einige Berühmtheit erlangt hat. Immer wenn ein Zug vorbei fährt, klappen die Händler ihre Planen ein und hinter dem Zug wieder aus. Das Gemüse bleibt übrigens während der Zugdurchfahrt dort liegen…

Ich hatte das Glück, den Markt besichtigen zu können (sehr empfehlenswert für jeden, der ein paar Tage in Bangkok ist) und anschließend sogar mit dem Zug zurückzufahren. Dabei ging es natürlich mitten durch den Markt.

Ich hatte mich am Ende des Zuges positioniert, um durch die Rückscheibe genau dieses Foto aufzunehmen: Händler, die keine zehn Meter hinter dem Zug wieder ihren Stand ausklappten und dem geschäftigen Marktgeschehen nachgingen.

Durch den Rahmen des Fensters konnte ich sogar noch den Zug selbst in das Foto integrieren, womit die Geschichte komplett war. Nicht schlecht, was mit so einem Rahmen alles möglich ist, oder?

Die natürliche Vignette

Wisst ihr, warum sich die Vignette seit Jahrzehnten bei Fotografen aus aller Welt so großer Beliebtheit erfreut? Nun, die Vignette ist genau genommen nichts anderes, als ein dunkler Rahmen um das Bild. Gut, der ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern entspringt der Objektiv/Kamera-Kombination bzw. der elektronischen Bildbearbeitung.

Es gibt aber noch einen wichtigen Grund: Das menschliche Auge scannt auf einem Foto immer zuerst die hellsten Bereiche. Haltet deshalb ganz besonders nach etwas dunkleren natürlichen Rahmen Ausschau.

Der natürliche Rahmen

Auch Hell-Dunkel-Kontraste eignen sich gut als Rahmen. © Tim Beyenbach

Da braucht es nun wirklich keine künstlich über das Bild gelegte Vignette mehr, oder?

 

Jetzt habt ihr einen kleinen Überblick bekommen, warum es sich lohnt nach natürlichen Rahmen für eure Fotos Ausschau zu halten. Dabei sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Fast alles, sei es in der Natur oder in der Stadt, lässt sich in gewisser Weise als Rahmen benutzen. Achtet bei euren nächsten Fotos einmal bewusst darauf.

Ich möchte natürlich nicht versäumen zu erwähnen, dass ich bei diesem Beitrag von Lars Poeck inspiriert wurde, der sich (und jedem der mitmachen möchte) auf seinem Blog ig-fotografie.de wöchentlich eine Fotoaufgabe stellt. Seine erste Aufgabe bestand aus dem natürlichen Rahmen.

Da mir aber gleich so viele Bilder zu dem Thema eingefallen sind, ist ein ganzer Beitrag daraus geworden. Ich hoffe, ihr konntet das ein oder andere Interessante daraus für euch mitnehmen.

Wie seht ihr das? Nutzt ihr schon bewusst natürliche Rahmen als Gestaltungsmittel? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen in den Kommentaren mitteilt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

 

 

1 Comments

Hinterlasse einen Kommentar.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.