Bildergeschichten: Leopardin bei Nacht

Fotogeschichte

Unser Ranger Dean ärgerte sich immer noch. „Eine Millionen Mal habe ich dieses Leopardenmännchen schon gesehen, aber noch nie länger als eine Sekunde. Immer wenn der ein Auto sieht, ist er weg.“

Unsere kleine Safari-Gruppe hatte gerade ihren obligatorischen Stopp in der Wildnis zum Sonnenuntergang gemacht. Eiskalte Getränke, ein wenig Trockenfleisch und getrocknete Früchte wurden gereicht. Dreizig Minuten zuvor hatten wir tatsächlich kurz in der Ferne einen Leoparden gesehen. Wobei „gesehen“ hier mehr „ein sehr schnelles Huschen von etwas in Katzengröße mit Schwanz“ bedeutet. Die darauf folgende Suche war ergebnislos verlaufen und so hatte sich Dean frustriert für eine Rast entschieden.

Die Sonne war mittlerweile hinter dem afrikanischen Horizont verschwunden und glaubt mir, mitten im Busch wird es schnell ziemlich finster. Für mein 70-300mm-Objektiv war es damit eindeutig zu dunkel. Dean würde zwar ab jetzt mit seiner Lampe in die Dunkelheit leuchten, aber auch damit sollten nicht mehr als 1/60 Sekunde Belichtungszeit bei Blende 5.6 und ISO 1600 drin sein.

Selbst dann mussten für ein auch nur technisch gelungenes Foto noch einige Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Wir finden ein nachtaktives Tier, welches vom Licht nicht gestört wird und dadurch nicht sofort die Flucht ergreift.

2. Der Schein der umher schwenkenden Lampe streift das Tier genau dann, wenn ich das Foto mache.

3. Der Autofokus meiner Kamera findet genau in diesem kurzen Moment das potentielle Fotomotiv.

4. Ich verwackel die Aufnahme nicht, obwohl ich in einem fahrenden Jeep sitze, das Tier vermutlich auch in Bewegung ist und die Sichtweite ansonsten ungefähr fünf bis zehn Meter beträgt.

Ihr seht, Safari bei Dunkelheit kann einen vor ganz schön schwierige Probleme stellen. Ich dachte mir jedenfalls, Punkt eins und zwei liegen nicht in meiner Hand. Also vertraute ich auf die Erfahrungen von Dean und wendete mich Punkt drei und vier meiner Problemliste zu.

Mit dem 70-300mm-Objektiv würde ich bei dem nicht vorhanden Licht keine unverwackelte Aufnahme zustande bringen, es sei denn ich nutze ISO 6400 oder besser noch ISO 12800. Das wollte ich meiner Kamera lieber nicht zumuten, also entschied ich mich, aus meinem Rucksack mein 90mm-Makro-Objektiv zu ziehen.

Hierin sah ich zwei Vorteile. Einerseits ist das Objektiv mit Blende 2.8 verhältnismäßig lichtstark und andererseits verhält sich der Autofokus zwar langsam aber sehr exakt. Bei Blende 2.8 und ISO 1600 kam ich so auf eine Belichtungszeit von 1/200 Sekunde, sofern ich den Lichtkegel der Lampe traf. Nach ein paar Testaufnahmen im fahrenden Auto ging ich vorsichtshalber noch auf 1/250 Sekunde und nahm die entsprechende Unterbelichtung in Kauf. Lieber zu dunkel als unscharf war meine Devise.

Hier noch zwei wichtige Hinweise, falls ihr selbst mal schnelle Bewegungen bei wenig Licht mit einem Makroobjektiv ausprobieren wollt. Erstens haben die meisten Makroobjektive einen Schalter, um den Fokusbereich einzuschränken. Nutzt diese Funktion unbedingt, ansonsten dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis irgendetwas scharf gestellt wird.

Viel wichtiger ist jedoch zweitens: Macht schon vor dem Ernstfall Trockenübungen mit dem Objektiv. Ich war davor schon mal in der Situation, mit meinem Makro in einer schlecht ausgeleuchteten Sporthalle Badmintonspieler im Wettkampf zu fotografieren. Ich wusste also, worauf ich mich einlasse. Wer von euch so eine Erfahrung noch nicht gemacht hat, könnte ansonsten recht schnell frustriert sein.

Nachdem meine Kameraeinstellungen vorgenommen waren, hatten wir tatsächlich das Glück keine 5 Minuten später die Mutter des scheuen Leoparden relativ nah in den Büschen neben dem Jeep zu sehen. Die Leopardin trat ganz kurz aus den Büschen hervor, nur um gleich wieder ihren Weg durch das Unterholz fortzusetzen. Ich versuchte gar nicht erst, per Serienbildfunktion möglichst viele Fotos zu schießen. Eine ganze Serie von angeleuchtetem Gestrüpp mit ein paar gelben Flecken Katze war nicht gerade das, worauf ich aus war.

Also probierte ich, die Leopardin mit dem mittigen Kreuzsensor anzuvisieren und einzelne gezielte Fotos zu bekommen. Leider machte mir Deans wackelige Lampenführung einen Strich durch die Rechnung. Wir sahen den Leoparden zwar ausgesprochen gut, aber das menschliche Auge gewöhnt sich im Gegensatz zu einer Kamera auch recht gut an die Dunkelheit.

Im Nachhinein war es eine aufregende Nacht und noch während der Rückfahrt zur Lodge sichtete ich meine Beute am Kameramonitor. Einen Treffer hatte ich, mit dem Licht genau auf dem Gesicht der Leopardin. Die restlichen Bilder waren mangels Licht einfach zu dunkel. Ein gelungenes Bild war mehr als ich erhofft hatte und so freute ich mich darüber noch den ganzen Abend wie ein Schneekönig.

Selbst eine Betrachtung am heimischen Rechner nach dem Urlaub ergab das gleiche Bild. Ein Bild war so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte, hier in der Übersicht mit der Nummer 2399:

lightroomansicht

Nur ein Bild war meiner ersten Meinung nach gelungen.

Die restlichen Bilder bekamen in Lightroom ein schwarzes Fähnchen und waren bei mir damit aussortiert.

Als ich letzte Woche meinen Blogartikel zur Fotochallenge schrieb, durchsuchte ich jedoch alle meine Fotos nochmal nach einem Leopardenhintern. Da ein Bild der Rückansicht auch gut und gerne unter den Gelöschten sein konnte, schaute ich mir alle Fotos noch einmal an. Dabei fiel mir ganz zufällig dieses Bild in die Hände, oben in der Übersicht unter der Nummer 2393 zu sehen:

Leopardin bei Nacht, das Original

Viel zu dunkel, aber mit Potential

Die Augen haben mich in diesem Moment sofort angesprochen. Dunkel, aber deutlich sichtbar, leuchteten sie mich auf dem Foto an.

Ich bin mir nicht sicher, wieso ich das Bild nicht früher bemerkt habe. Ok, auf dem Kameramonitor war das Bild zu klein, um es wirklich beurteilen zu können. Aber Zuhause am PC habe ich bei der ersten Durchsicht einfach gepennt.

Der Rest ist schnell erzählt: Da ich fast ausschließlich am raw-Format fotografiere, hatte ich bei der Belichtung noch einige Reserven. Außerdem war ein anderer Beschnitt dringend nötig und veränderte die Wirkung des Bildes enorm. Ich habe euch meine Entwicklungseinstellungen in Lightroom für dieses Bild aufbereitet und möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten.

Leopard mit Einstellungen

Meine Lightroom-Einstellungen für die Leopardin bei Nacht

Alles in allem bleibt bei mir durch dieses Foto vielmehr als „nur“ die Erinnerung an einen wundervollen und aufregenden Tag in Südafrika.

Ich habe für die Zukunft gelernt, dem Sortieren meiner Bilder wieder mehr Beachtung zu schenken. Ein paar Augenblicke mehr je Bild bringen mich nicht um und diese Zeit ist für mein Hobby gut investiert, bevor mir so ein Bild durch die Lappen geht.

Genau das möchte ich euch deshalb an dieser Stelle auch raten: Seid konzentriert bei der Sache, wenn ihr Fotos aussortiert. Das soll keinesfalls die Aufforderung sein, jedes missglückte Bild aufzuheben. Trefft eure Entscheidungen wohl überlegt.

Nach einem Urlaub sind bei den Meisten viele hundert Bilder auf der Speicherkarte und die Auswahl der gut gelungenen Fotos ist oft mühsam und zeitraubend. Scheut euch trotzdem nicht, die Bilder genau zu betrachten. Fragt euch immer: Gibt es etwas in dem Bild, was euch anspricht? Hilft vielleicht ein anderer Beschnitt oder auch eine Schwarz-Weiß-Bearbeitung?

Sortiert eure Ergebnisse nicht wie bei mir geschehen nur mit einem halben Auge, weil ihr eigentlich auf die Bilder schielt, die für euch schon auf den allerersten Blick eure persönlichen Highlights waren. Euch könnte die ein oder andere Perle entgehen. Meine nächsten Bilder werde ich mit Sicherheit deutlich gründlicher sichten und aussortieren.

Wie sieht es mit euch aus? Wieviel Zeit nehmt ihr euch nach einem Urlaub für eure Bilder? Habt ihr vielleicht schon mal das ein oder andere Bild beim Sortieren gelöscht und euch danach darüber geärgert? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir in den Kommentaren teilt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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