Badminton fotografieren: 9 Tipps, die dich bei jedem Sportevent weiterbringen

Hallensport fotografieren

Wenn ihr euch Sportfotos in der Zeitung oder in Magazinen anseht, dann könnt ihr euch sicher sein: Diese Fotos sind unter Einsatz von viel Arbeit und wirklich teurem Material entstanden.

Nicht umsonst ist die Sportfotografie die Domäne der Fotografenpackesel, also jener Spezies Fotografen, die die richtig großen Objektive an ihre Kamera schrauben und damit auf Bilderjagd gehen.

Ich hatte das Glück, am vergangenen Wochenende die Deutschen Meisterschaften im Badminton als Zuschauer zu erleben. Fotografiert habe ich natürlich auch und die Bilder möchte ich euch genauso wenig vorenthalten, wie ein paar Tipps zum Fotografieren dieser spannenden Sportart.

1. Kein Blitz

Wer von euch Sport fotografieren will, muss sich an gewisse Spielregeln halten. Das bedeutet, dass der Veranstalter, die Schiedsrichter und natürlich die Spieler immer Vorrang haben.

Als Fotograf ist es am besten, wenn ihr so wenig wie möglich auffallt. Sprecht am besten vor dem Wettkampf mit dem Veranstalter ab, wo ihr fotografieren dürft und wo nicht. Dann gibt es später keine Probleme und ihr behindert niemanden.

Denn ihr könnt euch sicher sein, egal welchen Wettkampf ihr fotografieren wollt und in welcher Sporthalle ihr euch befindet – wenn ihr die Veranstaltung stört, fliegt ihr raus und eure Kamera gleich hinterher…

Deshalb auch noch ein ganz, ganz wichtiger Tipp: Benutzt auf keinen Fall für eure Sportfotos einen Blitz. Der Blitz mag nur sehr kurz aufleuchten, aber die Spieler stört es ungemein. Das gilt für fast alle Sportarten. Stellt den Blitz also einfach aus. Glaubt mir, ihr erspart euch jede Menge Ärger.

2. Kurze Verschlusszeiten

Hallensport fotografieren

Ohne kurze Verschlusszeiten sind die schnellen Bewegungen des deutschen Meisters – Marc Zwiebler – nicht einzufrieren.  © Tim Beyenbach

Gerade schnelle Sportarten erfordern oft sehr kurze Verschlusszeiten. Wir wollen die Spieler in ihren Bewegungen sehen, auf dem Foto soll die Bewegung möglichst eingefroren sein. Wenn der ganze Spieler auf dem Foto nur noch verwischt, kann man das zwar vielleicht noch Kunst nennen. Ein schönes Sportfoto kommt aber selten dabei heraus.

Badminton zählt nun als die schnellste Rückschlagsportart, der Federball wird deutlich schneller als ein Tennis-, Tischtennis- oder Squashball. Auch die Spieler agieren entsprechend mit schnellen, ruckartigen Bewegungen.

Ich habe deshalb für meine Fotos größtenteils eine Verschlusszeit von 1/800 s gewählt. Damit konnte ich die Bewegungen schon ganz gut einfrieren. Eine noch kürzere Zeit wäre sicher nicht verkehrt gewesen, aber irgendwann setzt einem die Physik gewisse Grenzen.

3. ISO rauf, Blende auf

Jeder, der mal von euch in einer Sporthalle die Kamera auf 1/800 s stellt, merkt schnell, dass das Bild ziemlich dunkel ist.

Wir mögen zwar die Beleuchtung als hell wahrnehmen. Aber unser Auge ist um ein vielfaches empfindlicher als eine gewöhnliche Kamera. Denn so eine Sporthalle ist einfach nicht hell, es herrscht eher schummriges Licht.

Ein korrekt belichtetes Bild bekommt ihr also nur, wenn ihr ein wenig an den Kameraeinstellungen herumspielt. Dazu hilft euch die alte Sportfotografenweisheit: ISO rauf, Blende auf. Etwas anderes bleibt euch leider auch nicht übrig.

Und ich rede hier nicht von ISO 400 oder 800, sondern von verdammten ISO 3200… ISO 4000 oder ISO 5000 sind sogar teilweise keine Seltenheit. Da wird manchen von euch sicher etwas flau im Magen, aber anders sind die Ergebnisse nicht zu bewerkstelligen. Ihr solltet außerdem ein Objektiv verwenden, bei dem man die Blende mindestens bis zum Wert 2.8 öffnen kann. Mehr ist auch hier besser.

Genau dort liegt auch der Grund, warum die Sportfotografie so eine Materialschlacht ist: Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto teurer ist es und je besser die Kamera mit hohen ISO-Werten zurecht kommt, desto teurer ist sie.

Wer also noch den Wert eines Kleinwagens in sein Equipment investieren möchte, nur zu… Ich bin kein Freund davon.

Deshalb sind die hier von mir gezeigten Bilder auch alle mit der Standardfestbrennweite 50mm 1.4 gemacht. Das Objektiv ist nicht sehr teuer, aber umso lichtstärker. Dafür muss man mit der festen Brennweite auskommen und ziemlich nah ran ans Geschehen. Das ist nicht bei jeder Sportart in diesem Maße möglich.

4. Der Ball gehört aufs Bild

Badminton fotografieren

Ohne Ball sähe das Bild schnell langweilig aus. © Tim Beyenbach

Immer wieder sehe ich Bilder, wo ich mich frage, ob die Sportler schon spielen oder sich noch aufwärmen. Der Grund ist einfach, das Spielgerät ist nicht auf dem Bild. Deshalb sieht das Ganze nach Trockenübung aus.

Was wäre der Basketballer ohne Basketball, der Biathlet ohne Skier und Gewehr oder eben der Badmintonspieler ohne Federball?

Ich weiß, dass der Federball sehr sehr schnell fliegt und dass es verdammt schwer ist, ihn auch auf das Bild zu bekommen. Aber hey, wem das zu schnell geht, der muss halt Schach fotografieren. Also probiert immer das Spielgerät mit auf das Bild zu bekommen.

5. Kenne den Sport

Wie bekommt ihr nun den Ball und den Spieler im genau richtigen Moment auf das Bild? Wenn ihr euch in dem Sport auskennt, wird euch das deutlich einfacher fallen.

Ich spiele selbst nun schon viele Jahre Badminton und ich brauche nicht mehr den Ball sehen, um zu wissen, wann er auf den Spieler zukommt. Das ist reine Erfahrungssache. Natürlich könnt ihr nicht jeden Sport ausüben, den ihr fotografieren wollt. Aber es hilft ungemein, wenn ihr zumindest die Regeln kennt und schon das eine oder andere Spiel in eurem Leben gesehen habt.

Wer die Abläufe einer Sportart versteht, kann auch viel besser abschätzen, wo auf dem Spielfeld sich spannende Szenen abspielen werden. Während beispielsweise beim Basketball die meiste Action unter dem Korb stattfindet, geht es beim Volleyball typischerweise am Netz um die Wurst.

So ergeben sich ganz automatisch auch die besten Plätze, um den jeweiligen Sport zu fotografieren. Beim Badminton habe ich die besten Erfahrungen neben dem Netz mit Blick auf eine Feldhälfte gemacht.

6. Details

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Die deutsche Meisterin Olga Konon nimmt sich Zeit für ihre Fans. © Tim Beyenbach

Bei einem Sportevent geht es nicht ausschließlich um den Wettkampf. Nutzt also immer wieder die sich bietenden Gelegenheiten, um auch andere Szenen fotografisch festzuhalten.

Diese Detailaufnahmen vervollständigen erst eure Dokumentation des Events. Ein kaputter Federball am Spielfeldrand, der Bratwurststand oder halt die Deutsche Meisterin beim Autogramme geben – es gibt unzählige Motive auf so einer Veranstaltung. Schaut euch also gut um.

7. Sieger

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Birgit Michels freut sich zurecht – sie ist gerade erneut deutsche Meisterin im Mixed geworden. © Tim Beyenbach

Klar, wir alle lieben Helden. Ein spannender Wettkampf, das Adrenalin übernimmt die Steuerung im Gehirn und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich alles entlädt. Diese Emotionen gehören zum Sport. Ich möchte sogar sagen, diese Emotionen machen den Großteil der Faszination von Sport überhaupt aus.

Ich kann nur jedem von euch raten, genau diese Freude und Begeisterung auf eure Fotos zu bannen. Ihr werdet lebendige, spannende Bilder mit nach Hause nehmen, die ihr euch auch noch nach langer Zeit gerne anseht.

8. Und Besiegte

Badminton fotografieren

Marc Zwiebler am Boden, das sah gar nicht gut aus für ihn. © Tim Beyenbach

An dieser Stelle ist es von mir sicher nicht ganz fair, Marc Zwiebler als Beispiel zu nehmen. Aber mitten im Finale des Herreneinzels (im zweiten Satz beim Stand von 18:18) brach er nach einer falschen Bewegung zusammen und wurde minutenlang behandelt. Ein partieller Riss an der Achillessehne wurde vom Hallenarzt diagnostiziert. Er spielte irgendwie trotzdem weiter und gewann noch irgendwie die benötigten Punkte für den Titel.

Ähnlich wie ein verlorenes Spiel gehören Verletzungen zu den Tiefschlägen eines jeden Sportlers. Genauso wie die strahlenden Sieger prägen auch diese Szenen die Sportveranstaltung.

Vergesst also nicht, mit eurer Kamera auch immer wieder den Blick zu den Besiegten (egal ob vom Gegner oder von ihrem eigenen Körper) schweifen zu lassen. Emotionale Fotos sind euch garantiert.

9. Nicht entmutigen lassen

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Max Schwenger bejubelt seinen Titel im Herrendoppel. © Tim Beyenbach

Oft ist es schwer, den richtigen Moment zu erwischen. Viele der Aufnahmen werden unscharf sein. Auf genauso vielen Fotos wird das Spielgerät nicht drauf sein.

Trotzdem dürft ihr den Kopf nicht hängen lassen. Sportfotografie ist eine der Königsdisziplinen, wenn es ums Fotografieren geht.

Viel Ausschuss gehört dabei dazu. Selbst bei erfahrenen Sportfotografen wird der Großteil der Bilder anschließend gelöscht. So solltet ihr es auch halten.

Kontrolliert am besten gleich vor Ort an der Kamera, ob ihr offensichtlich unscharfe oder verfehlte Aufnahmen dabei habt und löscht diese sofort. Ihr erspart euch eine Menge Arbeit, wenn ihr nach Hause kommt.

Und ihr könnt vielleicht schon beim ersten Sichten der Bilder genauso wie Max Schwenger auf dem Foto oben jubeln, wenn euch ein richtig guter Treffer gelungen ist.

 

So, ich hoffe, ihr konntet alle ein paar Anregungen für euch mitnehmen. Badminton fotografieren ist kein leichtes Unterfangen. Wenn ihr eure Kamera im Griff habt, werdet ihr es aber bestimmt schaffen, gute Bilder mit nach Hause zu nehmen. Das gilt natürlich für jeden anderen Sport genauso.

Wenn ihr noch Fragen zum Fotografieren von Sportveranstaltungen oder selbst noch gute Hinweise für tolle Sportfotos habt, dann scheut euch nicht, die Kommentarfunktion unter dem Artikel zu benutzen.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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