6 verdammt gute Gründe, sich eine Festbrennweite anzuschaffen

Geschenke für Fotografen

Alle Besitzer einer Systemkamera haben sich schon einmal genau die gleiche Frage gestellt. Nämlich, was für ein Objektiv soll ich mir anschaffen?

Weitwinkel oder Telezoom, mit hoher Lichtstärke oder doch lieber etwas mehr Zoom?

Mit diesem Beitrag will ich gar nicht so sehr auf die verschiedenen Brennweiten und deren Möglichkeiten eingehen. Es soll vielmehr um eine grundlegendere Entscheidung gehen: Zoom oder Festbrennweite?

Ich selbst habe durch Festbrennweiten viel über das Fotografieren gelernt und empfehle immer wieder jedem, die Einfachheit einer Festbrennweite selbst auszuprobieren. Bei mir darf eine Festbrennweite jedenfalls nie in der Kameratasche fehlen. Habe ich gute Gründe dafür? Ja, na klar. Und die besten Sechs davon könnt ihr hier nachlesen.

1. Eine Festbrennweite beschränkt dich.

Klingt erstmal wie ein Widerspruch, nicht wahr? Warum sollte eine Beschränkung ein Vorteil sein?

Ganz einfach, durch die feste Brennweite könnt ihr euch bewusst auf die restlichen Einstellungen konzentrieren. Kein nerviges Hin- und Herzoomen.

Ihr müsst eure Füße benutzen, um den Bildausschnitt zu verändern. Der gute, klassische Turnschuhzoom ist gefragt. Damit beschäftigt ihr euch viel intensiver mit eurem Motiv und entdeckt so ganz nebenbei noch die eine oder andere neue Perspektive.

Außerdem tut ihr quasi noch etwas für eure Gesundheit. Aber achtet bitte beim rückwärts Laufen immer auch auf das, was sich hinter euch abspielt. Man vergisst beim Fotografieren nur allzu schnell das Drumherum. Da ist ein Loch, eine Stufe oder sonst ein Hindernis schnell übersehen.

2. Eine Festbrennweite macht dich zum Experten.

Versteht mich nicht falsch, Fotoexperten seid ihr noch lange nicht, nur weil ihr eine Festbrennweite gekauft und in eure Tasche gepackt habt. Aber ihr seid auf dem besten Wege dorthin. Zumindest für diese eine bestimmte Brennweite.

Denn je mehr ihr diese eine Brennweite benutzt, desto eher lernt ihr, was mit ihr möglich ist.

Deshalb mein ganz einfacher Tipp: Verzichtet mal auf mehrere Objektive und macht nur mit eurer Festbrennweite im Gepäck einen Fotoausflug. Ihr werdet sehen, spätestens nach der zweiten oder dritten Fototour seht ihr die Motive schon ganz natürlich in „eurer“ Brennweite.

Außerdem hat diese Methode den Vorteil, dass ihr nie wieder die „falsche“ Brennweite auf der Kamera sitzen habt. Durch das viel bewusstere Sehen werdet ihr ganz automatisch Motive finden, die zu eurer Brennweite passen.

3. Eine Festbrennweite ist lichtstark.

Festbrennweite

Durch die Lichtstärke und dem Spiel mit der Unschärfe wurde hier das Bespannen eines Badmintonschlägers in Szene gesetzt. © Tim Beyenbach

Ihr mögt kein Blitzlicht? Externe Blitze sind euch zu aufwendig und das Licht des eingebauten Blitzes leuchtet eure Bilder mit dem Charme einer Grubenlampe aus?

Dann seid ihr vermutlich genauso große Blitzmuffel wie ich. Und genau dann werdet ihr die Lichtstärke von Festbrennweiten lieben.

Denn durch die große Blendenöffnung von Festbrennweiten können diese Objektive sehr viel Licht auf den Sensor eurer Kamera durchlassen. Damit könnt ihr auch bei wenig Licht noch scharfe Fotos machen.

Doch damit nicht genug. Wenn sich die Blende sehr weit öffnen lässt, hat das noch einen anderen Vorteil. Die Tiefenschärfe nimmt nämlich ab.

Was sich erstmal kompliziert anhört, ist gar nicht so schwer. Das heißt, ganz einfach gesagt, dass der Hintergrund „verschwimmt“, während der Vordergrund noch scharf abgebildet wird. Das Hauptmotiv wirkt dadurch, als wenn es sich vom Hintergrund abhebt. Fotografen sagen dazu auch „Freistellen“. Dieses sogenannte „Freistellen“ kann auf mehreren Wegen bewerkstelligt werden.

Einer davon ist es, die Blende soweit aufzumachen wie möglich. Und das gelingt mit Festbrennweiten am besten.

Aber Vorsicht ist angesagt, übertreibt es mit der Freistellung nicht. Wenn bei einem Portrait die Augen scharf, die Nasenspitze und die Ohren aber bereits unscharf sind, seid ihr etwas über das Ziel hinaus geschossen. Außerdem wird ein Bild nicht automatisch besser, je weniger darauf scharf abgebildet wird.

4. Eine Festbrennweite ist verdammt scharf.

Zu diesem Punkt möchte ich gar nicht viele Worte verlieren. Schaut euch einfach dieses Vergleichsbild an:

Schärfe von Festbrennweiten

Das komplette Bild eines Federballs.

Der Federball ist erst mit einem 18-55mm Kitobjektiv (auf 35mm eingestellt) aufgenommen worden und dann noch einmal mit einer 35mm Festbrennweite. Bei beiden habe ich identische Parameter in der Kamera eingestellt (ISO 200, Blende 5,0 und eine Belichtungszeit von 1/50s) und ein Stativ benutzt. Die Bilder wurden exakt identisch am PC bearbeitet (nur Weißabgleich und Belichtung).

Damit man die Unterschiede besser sieht, habe ich für euch einen 100%-Ausschnitt bereitgestellt:

Festbrennweite vs. Zoom

Das 18-55mm Kitobjektiv

 

Festbrennweite im Vergleich

Das Bild der 35mm Festbrennweite

Ziemlich beeindruckend, oder? Nicht nur, dass die Festbrennweite schärfer abbildet. Sie kommt auch deutlich besser mit den Kontrasten zurecht und stellt sie genauer dar. Sicher wird man den Unterschied nicht überall und schon gar nicht bei kleinen Abzügen (z.B. 10×15) sehen. Aber durch diese Schärfe habt ihr deutlich mehr Spielraum, wenn ihr das Bild beschneidet und zum Beispiel nur einen Ausschnitt nehmen wollt.

Die Schärfe ist übrigens nicht der einzige Bereich, in dem Festbrennweiten besser abschneiden als Zoomobjektive. Da Zoomobjektive in der Konstruktion immer ein Kompromiss sind, treten auch viel öfter Verzeichnungen oder Farbsäume in den Bildern (gerade an den Rändern) auf.

5. Eine Festbrennweite ist klein und leicht.

Unser Rücken dankt uns jedes Gramm weniger, gerade auf langen Wanderungen. Warum also nicht bei den Objektiven an Gewicht sparen?

So eine Festbrennweite wiegt oft nicht einmal 200g und ist somit bestens für Ausflüge und besonders auf Reisen geeignet. Denn schließlich dürft ihr nur wenige Kilos als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen. Und eure Fotoausrüstung sollte definitiv zu eurem Handgepäck zählen.

Wenn doch mal alle Stränge reißen, passt mein 50mm-Objektiv sogar in die Jackentasche. Es schadet also nie, eins dabei zu haben.

6. Eine Festbrennweite ist günstig.

Sicher gibt es auch unter den Festbrennweiten wirklich teure Objektive. Eurem Geldbeutel sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

Aber gerade im sogenannten Normalbereich, also so zwischen 30mm und 50mm, bekommt ihr gute Objektive zum kleinen Preis.

Das von mir sehr geschätzte 35mm 1.8 von Sony kostet beispielsweise bei Amazon deutlich unter 200 €. Ein Zoomobjektiv mit dieser Lichtstärke findet ihr höchstens im ziemlich neuen Sigma 18-35mm 1.8. Für dieses Objektiv müsst ihr aber deutlich tiefer in die Tasche greifen, fast 800 € werden dafür momentan aufgerufen.

 

So, ich hoffe, ich konnte euch die Vorteile von Festbrennweiten ein wenig näher bringen. Und jetzt seid ihr dran! Habt ihr vor, euch eine Festbrennweite zuzulegen oder fotografiert ihr schon mit einer? Schreibt eure Meinung oder eure Erfahrungen einfach in die Kommentare. Ich bin gespannt.

In diesem Sinne, allzeit gut Licht.

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